Warum ein entspannter Bauch viel mit Selfcare zu tun hat

Wenn dein Bauch die Brille bricht

Vor zwei Wochen habe ich den Bügel meiner Brille gebrochen. Und zwar, indem ich sie zwischen meine Oberschenkel und meinem Bauch eingeklemmt habe…

Am Ende der Yogastunde, Savasana, da hab ich sie auf den Bauch gelegt und … vergessen, denn Abschluss war: Apanasa – Oberschenkel zum Bauch, seitlich drehen und.. 🤦🏽‍♀️

Wie das dann zur Podcastfolge wurde? Weil mir dieses Thema so wichtig erschien und total viel mit Selfcare zu tun hat. Der Beiname dieser Übung am Schluss ist nämlich „Gaslösende Stellung“ und .. das wird einfach viel zu wenig besprochen.

Für mich hat nämlich wie und wie oft wir furzen hat total viel damit zu tun, wie wir leben. Selfcare definiert auch, was für uns normal ist und was nicht und wo wir beginnen dürfen genauer hinzuschauen und mit unserem Körper zusammenzuarbeiten, statt gegen ihn.

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Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich damit, wie Gesundheit funktioniert – dazu gehören Ernährung, Yoga, Ayurveda, Wissen über das Nervensystem, Körpergefühl und Selbstfürsorge. Und ich merke immer wieder: Unser Körper spricht die ganze Zeit mit uns – auch der Bauch

Und gerade der Bauch ist etwas, das viele Menschen kontrollieren wollen. Flach soll er sein, Ruhig, unsichtbar, still – also bitte keine Geräusche oder Blähungen – alles was Verdauung ist.. finden wir wäh.. Aber wenn du isst.. denkst und fühlst, spielt dein Bauch mit und echte Körper verdauen eben.

Entspannung macht Geräusche

Ich beobachte das oft bei Klangmassagen. In dem Moment, wo Menschen wirklich loslassen, macht plötzlich der Bauch Geräusche. Warum? Weil der Körper entspannt, weil dieses ständige Halten, Zusammenziehen, Kontrollieren und Funktionieren plötzlich weniger wird.. aber dann reagieren Menschen oft sofort verunsichert oder schämen sich… ich kann beruhigen und sage dann immer: Ich freue mich darüber, weil es bedeutet, dass der Körper losgelassen hat.

Das passiert auch beim Yoga. Tiefe Atmung, Vorbeugen, Bauch entspannen, Hüftöffner, Bewegungen, Spannung und Loslassen. Wir bewegen den Körper .. und dann kann es passieren… 🌬️ leben passiert einfach

Frauen, Bauchspannung und Kontrolle

Ich habe in meinem Leben noch nie einen flachen Bauch gehabt, und war total frustriert. Durch meine Ausbildungen habe ich aber irgenwann verstanden, dass ein Bauch stark und weich gleichzeitig sein kann und das sogar soll! Diesen Gegensatz lernen wir aber nicht – vor allem Frauen nicht, denen überall ein völlig verkehrtes Körperbild beigebracht wird! Frauen sollen „schön“ sein, ästhetisch, aber kontrolliert. Bitte keine Anzeichen von Schwitzen! Und schon gar nicht furzen oder rülpsen. Einfach nur lieb, nicht laut. Nicht zu hart, nicht zu weich, nicht zu viel, nicht zu..

Ich bin dieses Jahr 48. Als ich groß geworden bin, war Schwitzen total out! Also haben alle Deos genommen die die Schweißproduktion reduziert haben – Ziel: Keine Flecken, keine Geruch… Nett, adrett, nur kein Speck.. 🤦🏽‍♀️ Dass Frauen auch Körperfunktionen haben.. wollte einfach niemand wissen. Aber unser Körper sind niemals still! Wir sind ein Universum der Töne! Unser Herz schlägt, das Blut fließt unsere Organe arbeiten, die Verdauung bewegt sich. In jeder Zelle passiert die ganze Zeit etwas.

Menschen furzen. Auch Frauen.

Von Scham und Körpergefühl

Ich habe letztens gelesen, dass eine Hollywood-Schauspielerin gefragt wurde, ob sie neben ihrem Partner furzt. Die Antwort war sofort: „Ich furze nicht.“ Da hab ich mir gedacht: Doch! Natürlich! Vielleicht nicht absichtlich, vermutlich sehr ungern, vermutlich nicht laut – ABER .. jeder Körper macht Körperdinge – auch die von schönen Frauen…

Die Frage die sich stellt: liebst du mich genug um zu lieben, dass ich Mensch bin? Kann ich neben dir einfach entspannt Mensch sein, ich sein?

Ich denke, das hat ganz viel mit Sicherheit zu tun.. hab ich Vertrauen, kann ich loslassen, und damit auch mein Nervensystem.

Ayurveda und natürliche Körperimpulse

Im Ayurveda gibt die 13 natürlichen Körperimpulse, Vega Dhāraṇa. Das sind die natürlichen Körperimpulse, die nicht dauerhaft unterdrückt werden sollen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Hunger
  • Durst
  • Schlaf
  • Niesen
  • Husten
  • Urinieren
  • Stuhlgang
  • und.. Blähungen

Die Idee dahinter ist nicht, dass man alles ungefiltert auslebt, sondern dass der Körper ständig mit uns kommuniziert und dass dauerhaftes Unterdrücken Stress und Spannung erzeugen kann. Gerade Vata, also das Luft- und Bewegungselement im Ayurveda, reagiert stark auf Stress, Unruhe, Reisen, Überforderung oder emotionale Belastung. Deshalb hängen Nervensystem und Verdauung oft so eng zusammen. Viele Menschen merken das beim Reisen oder bei Stress, in emotional schwierigen Phasen dass es Verschiebungen in den natürlichen Rhythmen gibt.

Darm mit Charme

2014 erschien das Buch Darm mit Charme und ich habe es damals unglaublich gefeiert. Weil plötzlich jemand offen, humorvoll und gleichzeitig sehr intelligent über Verdauung gesprochen hat. Über etwas, das uns alle betrifft und über das trotzdem kaum ehrlich gesprochen wird. Ich finde das bis heute wichtig. Nicht, weil man sich ständig optimieren muss. Sondern weil Verdauung so viel über unser Wohlbefinden erzählt. Mein Lesetipp!

Lecker essen.. und dann..

Ich war letztes Wochenende krank. Magen-Darm. Die Hölle. Kaum Schlaf. Viel Erschöpfung. Medikamente. Stress wegen meiner Lunge. Ein paar Tage später hatte ich AKH Termin und wollte mich im Anschluss verwöhnen.. und ich liebe Sushi. Also habe ich mir beim Asiaten des Vertrauens ein ultra-leckeres Essen bestellt. Für meine Seele war das großartig! Der Bauch war voll, aber ok.. doch mein Darm hat am nächsten Tag sehr klar kommuniziert: noch zu früh.. 🤦🏽‍♀️ … Zurück zu Reis dachte ich mir.. aber genau das meine ich. Der Körper spricht ständig mit uns. Er ist nicht gegen uns, nur sehr klar in dem was er braucht – könnten wir auch mal besser lernen, finde ich

Beobachten statt bewerten

Ich glaube nicht daran, den Körper permanent kontrollieren zu müssen, doch ihn zu beobachten macht total Sinn wenn wir besser zusammenleben wollen – ein gegenseitiges Wohlwollen ist so super wichtig für unser Wohlbefinden! Frage dich doch mal und beobachte:

Wie reagiere ich auf bestimmte Lebensmittel?
Wie verändert sich meine Verdauung bei Stress?
Wie fühle ich mich nach dem Essen?
Wie regelmäßig ist meine Verdauung?
Was tut mir gut?

Das ist für mich Selfcare. Nicht Perfektion, keine Optimierung sondern in Beziehung treten mit mir selbst. Je besser ich mich kenne, umso besser kann ich für mich sorgen und mich in einem Zustand halten, in dem es mir gut geht. Körper, Geist und Seele.

Meine Tipps

Mir persönlich helfen:

  • warmes Wasser
  • Bewegung
  • Spaziergänge
  • Flohsamenschalen
  • ruhiges Essen
  • weniger Stress
  • tiefe Atmung
  • Bauchmassagen
  • Yoga
  • wenig verarbeitete Lebensmittel
  • und bewusstes Essen

Und ganz besonders: langsamer werden (Langsamkeit ist mein Wort des Jahres 2026) Die Verdauung beginnt nicht erst im Darm. Sie beginnt beim Kauen – Alles ist Teil des Prozesses – Sitzen, Ruhe, Ankommen, Achtsamkeit, Genuss.

Ayurveda-Massage und Bauchraum

Ich arbeite sehr gerne mit Bauchmassagen und Selbstmassage. Sanfte kreisende Bewegungen, warmes Öl, ruhige Berührung. Nicht gegen den Körper sondern mit ihm. Im Ayurveda gibt es unterschiedliche Formen der Selbstmassage und viele Möglichkeiten, den Bauchraum liebevoll zu unterstützen.

Dazu habe ich bereits mehrere Beiträge geschrieben:

Auch im Interview bei „Lunge bewegt“ mit einer Ayurveda-Praktikerin Das Interview zeigt, wie Ayurveda Menschen mit Lungenerkrankungen ganzheitlich begleiten kann – durch Rhythmus, Atmung, Berührung und kleine alltagstaugliche Veränderungen als Ergänzung zur Schulmedizin.

Pocket Yoga und der weiche Bauch

Apanasana bedeutet für mich inzwischen viel mehr als nur „gaslösende Stellung“. Apana Vayu beschreibt im Ayurveda die nach unten gerichtete Energie.

  • Loslassen
  • Ausscheiden
  • Erdung
  • alles, was den Körper verlassen darf

Und ich glaube, wir halten oft nicht nur Nahrung fest. Sondern auch:

  • Stress
  • Emotionen
  • Spannung
  • Kontrolle
  • Scham

Deshalb arbeite ich in meinen Yogastunden und auch bei Pocket Yoga so viel mit Atmung, Bauchraum und Nervensystem.

Pocket Yoga sind kleine fünfminütige Übungen, Atemübungen und Meditationen für den Alltag. Es geht nicht darum alles perfekt zu üben, sondern überhaupt in Bewegung zu kommen. Eine Erinnerung, mit sich selbst in Verbindung zu bleiben – ohne Leistungsorientierung. Einfach wieder weich werden dürfen, den  Atem zu spüren und sich die Erlaubnis zugeben, ein bisschen weniger streng mit sich selbst zu sein.

Beobachten statt bewerten

Für mich beginnt Selfcare genau dort, wo wir beginnen, mit unserem Körper zu sein – nicht gegen ihn.

Unser Körper begleitet uns unser ganzes Leben. Und vielleicht beginnt Selbstliebe manchmal genau dort, wo wir aufhören, unseren Körper für seine Natürlichkeit zu verurteilen.

Wie geht es dir damit? Schreib mir gern in die Kommentare!