Vom Erkennen ins Verkörpern – Nutze die Energie des Septembers für deine innere und äußere Ausrichtung
Der September ist ein Monat des Übergangs und gleichzeitig des Neuanfangs. Nach dem Sommer beginnt für viele wieder der Alltag, die Ferien gehen zu Ende, Schule und Arbeit starten neu, und auch in der Natur verändert sich langsam die Richtung.
Der Sommer ist noch da, die warmen Tage werden aber spürbar kürzer und mit dem Schulbeginn bemerken wir die ersten Blätter, die ihre Farbe verändern. Der September ist ein Monat in dem sich Gegensätze völlig normal anfühlen. Fülle und Rückzug, Reife und Vergänglichkeit, Dankbarkeit und Loslassen, Licht und Dunkelheit widersprechen sich in dem Monat irgendwie nicht.
Für mich ist der September ein besonderer Monat. Einerseits ist es die Einladung auf das bisherige Jahr zurück zu schauen, aber es ist auch die Aufforderung mir zu überlegen, was ich in diesem Jahr noch umsetzen möchte. Samen säen wenn man so will für das das im Winter dann unter der Oberfläche wachsen darf. Diese Folge des Krisenfest Podcasts ist eine Einladung für dich mitzukommen in diesen Monat der Gegensätze.
On soundcloud In spotify On Apple
Zwischen Ernte und Neubeginn
Der Name September stammt vom lateinischen septem, der Zahl Sieben, weil er im alten römischen Kalender ursprünglich der siebte Monat war. Heute ist er unser neunter Monat, und die Zahl Neun steht symbolisch für Vollendung und Reife also nicht nur Übergang wie er vielfach beschrieben wird.
Im August habe ich mich sehr intensiv mit dem Ernten beschäftigt und mit der Frage, was in meinem Leben gewachsen ist. Der September ist nun da um einen weiteren Schritt zu machen. Ja, die Ernte ist da, ich weiß, was ich dieses Jahr gelernt. habe, was reif geworden ist. Ich weiß nun genauer wer ich geworden bin, was zu lernen war und jetzt stellt sich die Frage;
Wie bringe ich das jetzt in die Welt? Diese Frage begleitet mich durch diesen September.
Nicht mehr die Alte aber auch noch nicht die Neue
Übergänge sind nicht immer einfach- wir befinden uns oft zwischen zwei Welten. Das Alte passt nicht mehr richtig, aber das Neue ist auch noch nicht vollständig da. Es fühlt sich komisch an – ich kenne dieses Gefühl nur zu gut.
Ich bin noch nicht dort, wo ich hinwill, aber gleichzeitig bin ich auch nicht mehr die Alte. Genau in diesem Dazwischen liegt eine besondere Herausforderung, die wir für uns nutzen können, denn wir müssen nicht vom Alten ins Neue springen – wir dürfen uns die Zeit nehmen zu werden
Einen Moment auf dieser Schwelle verweilen und wahrnehmen, was sich verändert hat – sich überlegen welche Erfahrungen wir mitnehmen wollen und aber auch, was zurückbleiben darf. Was möchte ich aus dem was ich erfahren habe, tatsächlich in mein weiteres Leben integrieren? Der September stellt damit nicht nur die Frage, was gewesen ist, er fragt auch: Wie möchtest du jetzt weitergehen?
Balance ist auch 100% verteilt
Rund um die Herbst-Tagundnachtgleiche sind Licht und Dunkelheit für einen kurzen Moment wieder gleich, danach werden die Tage kürzer und die Dunkelheit nimmt langsam mehr Raum ein.
Es ist eine Zeit der Balance, aber Balance bedeutet für mich nicht, dass alles immer gleich verteilt sein muss.
Mein Leben besteht aus unterschiedlichen Bereichen, die zu unterschiedlichen Zeiten verschieden viel Aufmerksamkeit brauchen. Arbeit, Familie, Beziehung, Freundschaften, Freizeit und Selfcare lassen sich nicht jeden Tag in gleich große Stücke teilen.
Wichtiger als die Frage des Ausgleichs, wie Balance auch verstanden wird, ist sich zu überlegen: Was jetzt mehr Raum braucht und was weniger werden darf.
Balance wird so zu etwas Beweglichem, anstrengend auch, denn es gilt sich immer wieder neu auszurichten. Statt einen perfekten Zustand zu erreichen und diesen dann festhalten zu wollen ist es ein Tanz, ein immer wieder hinspüren. Der Herbst ist eine gute Zeit dafür.
Vom Erkennen ins Verkörpern
Die Frage die ich diesen September stellen mag ist: Wie kann ich das, was ich über mich weiß nehmen und mein Leben daraus bauen. Wie die Gegensätze in Balance bringen. Nicht im Moment aber in der Zeit.
Zum Beispiel. wenn wir spüren, dass wir Ruhe brauche, aber sie uns nicht erlauben oder spüren, dass uns etwas nicht guttut, und trotzdem keine Grenze setzen.
Längst wissen, was ich möchte, aber es nicht aussprechen, weil die Angst vor dem was danach kommt größer ist.
Es gibt einen Raum zwischen Erkennen und Leben und die Frage die der September stellt ist: wie fülle ich ihn.
Wie wäre es, ein Bedürfnis nicht nur zu erkennen, sondern auch darum zu bitten. Die innere Grenze zu einem ausgesprochenen Nein oder zu einem klaren Ja werden zu lassen und die Erkenntnis zu einer Entscheidung.
Dem was in uns bereits gereift ist, eine Richtung geben.
Udana Vayu – die Kraft von Stimme und Ausdruck
Im Yoga begleitet mich dabei im September Udana Vayu. Ein Vayu ist eine Bewegungsrichtung im Körper, ein Wind, vayu.
Udana ist die aufsteigende Kraft und wird mit Hals, Stimme, Ausdruck und Ausrichtung verbunden. Für mich beschreibt diese Bewegung sehr schön, was nach dem Erkennen kommen kann – etwas Inneres darf Ausdruck bekommen.
Meine Stimme beispielsweise gehört für mich ebenso dazu wie meine Haltung, meine Kommunikation und die Art, wie ich meinen Platz einnehme.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel oder möglichst laut zu sprechen. Vielmehr interessiert mich die Frage, ob das, was ich nach außen bringe, tatsächlich mit dem verbunden ist, was ich in mir wahrnehme.
Wie lebe ich das, was ich längst über mich weiß?
Diese Frage verbindet für mich die Septemberenergie mit Udana Vayu.
Deine Stimme beginnt nicht im Hals
Wenn wir von Stimme sprechen, denken wir schnell an unseren Hals und unsere Stimmbänder, doch für mich beginnt Stimme viel früher.
Der ganze Körper ist Teil unseres Instruments.
Wie stehe ich auf meinen Füßen, wie aufgerichtet ist meine Wirbelsäule und wie viel Raum erlaube ich mir einzunehmen? Was geschieht in meinem Becken, meinem Bauch, meinem Brustraum und meinem Atem, wenn ich etwas Wichtiges aussprechen möchte?
Auch Kiefer, Hals und Nacken erzählen viel darüber, wie frei sich meine Stimme anfühlt.
Ich kann meinen Körper deshalb ganz bewusst wahrnehmen, bevor ich überhaupt beginne zu sprechen. Sind meine Füße gut mit dem Boden verbunden, wie stehe ich, wie ist meine Wirbelsäule ausgerichtet und kann mein Atem frei fließen?
Diese körperliche Verbindung verändert auch meinen Ausdruck.
Aufrichtung bedeutet auch, Raum einnehmen
Aufrichtung hat für mich nichts damit zu tun, die Brust herauszustrecken oder möglichst selbstbewusst zu wirken. Ich muss mich nicht größer machen, aber ich muss mich auch nicht kleiner machen.
Ich halte meinen Raum, und nehme meinen Platz natürlich ein.
Dabei kann ich gleichzeitig weich und aufgerichtet sein. Unsicherheit schließt nicht aus, dass ich meine Meinung ausspreche, genauso wenig muss Angst verhindern, dass ich eine Grenze setze.
Ich muss auch nicht wissen, wie mein gesamter weiterer Weg aussieht, um den nächsten Schritt gehen zu können. Meine Aufrichtung wird damit zu einer inneren und äußeren Ausrichtung.
Mich zeigen heißt nicht, lauter zu werden
Dieser Gedanke ist mir besonders wichtig, denn Stimme und Ausdruck werden schnell mit Lautstärke verwechselt – Ich muss nicht laut werden, um klar zu sein.
Manchmal bedeutet Ausdruck sogar, weniger zu reden, nicht mehr alles zu erklären und ein Nein nicht mit einer langen Rechtfertigung zu versehen.
Auch Stille gehört für mich zu diesem Thema.
Wenn ich permanent spreche, telefoniere, Nachrichten konsumiere, scrolle, zuhöre, antworte und reagiere, wird es schwer, meine eigene Stimme überhaupt noch wahrzunehmen.
Weniger außen und mehr innen kann deshalb auch bedeuten, bewusst Stille entstehen zu lassen. – In der Stille kann ich wieder hören, was für mich wichtig ist.
Was ist wahr für mich?
Die eigene Wahrheit zu leben bedeutet für mich nicht, ungefiltert alles auszusprechen, was mir gerade durch den Kopf geht. Die Frage, die für mich viel interessanter ist, ist was wirklich für mich stimmt.
Was brauche ich, was möchte ich und was möchte ich nicht mehr? Wo sage ich Ja, obwohl mein Körper längst Nein sagt, und wo passe ich meine Stimme an, damit ich niemanden enttäusche?
Und auch Schweigen kann unterschiedliche Gründe haben. Wir können aus Weisheit und Wissen schweigen, manchmal schweigen wir aus Angst.
Es lohnt sich, genauer hinzuspüren und nicht nur auf die Worte zu achten, die ich ausspreche.
Fragen für deine September-Selfcare
Du kannst den September nutzen, um dir selbst ein wenig genauer zuzuhören und wahrzunehmen, was in dir bereits gereift ist.
Nimm dir dafür diese Fragen mit:
- Was weiß ich eigentlich längst über mich?
- Was davon lebe ich noch nicht?
- Wo mache ich mich kleiner, als ich bin?
- Wo sage ich Ja, obwohl mein Körper Nein sagt?
- Was möchte durch mich ausgesprochen werden?
- Was möchte ich nicht länger erklären oder rechtfertigen?
- Wo wünsche ich mir mehr Mut, sichtbar zu sein?
- Was bedeutet es für mich, meinen Platz einzunehmen?
- Welche Entscheidung würde ich treffen, wenn ich meiner eigenen Stimme vertraute?
- Wie möchte ich das, was in mir gereift ist, jetzt leben?
Du musst nicht alle Fragen auf einmal beantworten. Eine einzige kann dich durch diesen September begleiten und dir zeigen, wo aus einer inneren Erkenntnis langsam etwas Gelebtes werden möchte.
Stimme und Aufrichtung mit Pocket Yoga verkörpern
Genau diese Septemberenergie möchte ich mit Pocket Yoga nicht nur verstehen, sondern in die Verkörperung bringen.
Es ist etwas anderes, über Aufrichtung zu sprechen, als den eigenen Körper bewusst aufzurichten. Genauso macht es einen Unterschied, über Stimme nachzudenken oder zu summen, zu tönen und die eigene Vibration wahrzunehmen.
Im September stehen deshalb Stimme, Summen, Tönen, Atem, Hals und Nacken, Aufrichtung und Balance im Mittelpunkt.
Mit kurzen Yogaübungen, Meditationen und Atemimpulsen unterstützt dich Pocket Yoga dabei, regelmäßig etwas für dich zu tun und wieder in Verbindung mit dir zu kommen.
Mehr über Pocket Yoga erfahren
Wenn du noch nicht weißt, welche Form von Selfcare gerade zu dir und deinem Leben passt, kannst du auch meinen Selfcare-Kompass nutzen.
Wie möchtest du das, was in dir gereift ist, jetzt leben?
Der September erinnert dich daran, dass du nicht sofort wissen musst, wie dein ganzer weiterer Weg aussieht.
Die Ernte ist da, das Licht verändert sich und die Natur beginnt langsam, ihre Energie zurückzunehmen. Mitten in diesem Übergang kannst du wahrnehmen, was in dir gereift ist und was davon jetzt Ausdruck bekommen möchte.
Das kann mit einem Nein beginnen oder mit einem Ja. Ein Gespräch oder eine Entscheidung, ein Ton, ein bewusster Atemzug oder die Art, wie ich mich aufrichte, kann etwas verändern.
Die entscheidende Frage bleibt: Wie möchte ich das, was in mir gereift ist, jetzt leben?
Ich denke, die Antwort liegt genau dort, wo ich aufhöre, mich kleiner zu machen, und mir erlaube zu sagen: Das bin ich.
Hier findest du das Transkript der Folge

