Ich war auch dieses Jahr wieder beim MenoDay! Und weil ich mich leider nicht zweiteilen kann, habe ich mich auch dieses Jahr wieder entschieden, nicht zu den Workshops zu gehen, sondern mir im Saal die Vorträge und Panels anzuhören. Und ich war wieder begeistert! Schon im letzten Jahr habe ich viele spannende Impulse mitgenommen. Wenn du nachlesen möchtest, was mich damals besonders beschäftigt hat, findest du hier meinen Rückblick auf den MenoDay 2025.
Es gab so viele spannende Themen, unterschiedliche Perspektiven und wertvolle Denkanstöße. Manche Inhalte haben mich bestätigt, andere haben mich zum Nachdenken gebracht. Vor allem hat mir dieser Tag wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir Frauen unseren Körper besser kennenlernen und unsere Beschwerden ernst nehmen.
Dazu passt auch meine Podcastfolge: Trau dich du selbst zu sein – Weibliche Lust, Scham und der Mut, darüber zu sprechen
In diesem Beitrag möchte ich dir die aus meiner Sicht wichtigsten Inhalte der Vortragenden vorstellen.
Zur Keynote von Prof. Dr. Markus Metka bin ich leider zu spät gekommen. Sein Thema war „Silent Inflammation – Frauen in Flammen“, passend zu seinem aktuellen Buch Der Körper brennt: Mit richtiger Ernährung innere Entzündungen löschen (Amazon-Affiliate-Link).
Sein Buch habe ich noch nicht gelesen, mich aber bereits mit seinen Inhalten beschäftigt. Gerade als Ayurveda-Praktikerin finde ich den Zugang über die Ernährung besonders interessant. Dr. Metka ist Facharzt für Gynäkologie und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Ernährung, Gesundheit und gesundem Älterwerden.
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Paneltalk: Unerkannte Wechselbeschwerden – von Herzstolpern, trockenen Augen und Co.
Mit Dr. Anna Rab, Dr. Dana Muin und David Vogelhuber, moderiert von Janina Lebiszczak.
Dieses Panel fand ich besonders spannend, weil es einmal mehr gezeigt hat, wie vielfältig Wechseljahresbeschwerden sein können. Wie oft bringen wir sie gar nicht mit den hormonellen Veränderungen in Verbindung! Auch Symptome, die wir vielleicht nicht sofort mit den Wechseljahren in Zusammenhang bringen würden, kamen zur Sprache: Tinnitus, Frozen Shoulder, Hautjucken und sogar Phantomgerüche!! 😳
Dr. Anna Rab sprach über Herzstolpern und Herzrasen und darüber, wie wichtig es ist, solche Beschwerden kardiologisch abklären zu lassen. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass wir Frauen unsere persönlichen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren kennen sollten. (Kenne deine Zahlen!)
David Vogelhuber erklärte, warum trockene Augen gleichzeitig stark tränen können: Der Tränenfilm besitzt eine schützende Fettschicht, die sogenannte Lipidschicht. Ist diese gestört, verdunstet die Tränenflüssigkeit schneller. Das Auge reagiert auf die Trockenheit mit verstärktem Tränenfluss – und genau deshalb können trockene Augen paradoxerweise besonders stark tränen.
Auch Bildschirmarbeit und Veränderungen der Sehstärke waren Thema. Seine 20-20-20-Regel sollte sich jeder merken: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas schauen, das etwa 20 Fuß (rund sechs Meter) entfernt ist.
Dr. Dana Muin ging auf hormonelle Zusammenhänge, die Anwendung von Estradiol und Möglichkeiten bei vaginaler Trockenheit ein. Janina holte auch Evi Hellweger auf die Bühne. Evi Hellweger veröffentlicht im Februar ihr Buch über ihre vorzeitigen Wechseljahre und die damit verbundenen emotionalen Beschwerden. Sei gespannt auf „Ungeschminkt mit Lippenstift durch die Wechseljahre“!
Was ich aus diesem Panel besonders mitgenommen habe: Nicht jedes ungewöhnliche Symptom ist automatisch hormonell bedingt, aber die hormonelle Lebensphase sollte bei der Suche nach Ursachen mitgedacht werden!
Die wichtigsten Erkenntnisse aus Panel 1
- Wechseljahresbeschwerden können weit über Hitzewallungen hinausgehen. Im Panel wurden unter anderem Herzstolpern, Augenbeschwerden, Brain Fog, Stimmungsschwankungen, Hautjucken und Tinnitus angesprochen.
- Herzbeschwerden müssen medizinisch abgeklärt werden. Nicht jedes Herzstolpern ist automatisch eine Wechseljahresbeschwerde.
- Die hormonelle Lebensphase gehört zur medizinischen Anamnese! Auch in der Kardiologie sollten Menstruationsstatus, Schwangerschaften und Wechseljahresbeschwerden berücksichtigt werden. (Und in anderen Fachrichtungen übrigens auch!)
- „Know your numbers!“ Kenne deine persönlichen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.
- Trockene Augen können gleichzeitig stark tränen. Ist die schützende Fettschicht des Tränenfilms gestört, verdunstet die Tränenflüssigkeit schneller. Das Auge reagiert darauf mit verstärktem Tränenfluss.
- Bildschirmarbeit und unpassende Sehhilfen können Augenbeschwerden verstärken! Regelmäßige Bildschirmpausen und eine passende Sehhilfe können die Augen entlasten.
- Hormontherapie und Herzgesundheit: Im Panel wurde besprochen, welche Rolle Östrogen für das Herz-Kreislauf-System spielt und warum besonders Frauen mit einer früh einsetzenden Menopause auf ihre Herzgesundheit achten sollten.
- Evi Hellweger berichtete über die emotionale Seite der Wechseljahre. Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme und das Gefühl, sich selbst nicht wiederzuerkennen, können sehr belastend sein.
- Die richtige Anwendung von Estradiol ist wichtig. Es gibt unterschiedliche Anwendungsformen. Bei Estradiol-Gel sollte beispielsweise darauf geachtet werden, dass es nicht unbeabsichtigt auf andere Personen (insbesondere Kinder) oder Haustiere übertragen wird.
- Ungewöhnliche Beschwerden verdienen besondere Aufmerksamkeit. Auch wenn nicht für jedes Symptom eine hormonelle Ursache gesichert ist: Deine Beschwerden verdienen es, ernst genommen zu werden.
Keynote: Frauen leiden anders – Genderaspekte in der Schmerztherapie
Der Vortrag von OÄ Dr. Waltraud Stromer hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie unterschiedlich Schmerzen erlebt und verarbeitet werden können – und wie wichtig es ist, Frauen in der Schmerzmedizin differenziert zu betrachten.
Dr. Stromer stellte Untersuchungen zu chronischen Schmerzerkrankungen, Migräne und unterschiedlichen Aktivierungsmustern im Gehirn vor. Dabei ging es auch um die Frage, welchen Einfluss Sexualhormone auf die Schmerzschwelle haben können – während des Menstruationszyklus ebenso wie in der Perimenopause und Postmenopause. Spannend fand ich auch die Rolle von Oxytocin, körpereigenen Schmerzbotenstoffen und genetischen Unterschieden.
Ein weiterer großer Themenbereich war die unterschiedliche Wirkung und Verträglichkeit von Schmerzmitteln bei Frauen und Männern. Stromer erklärte, warum Medikamente je nach Geschlecht unterschiedlich wirken, abgebaut und vertragen werden können. Sehr bedenklich fand ich den Teil über soziale Einflüsse auf die Schmerzwahrnehmung und mögliche Benachteiligungen von Frauen in der medizinischen Versorgung.
Zusammengefasst könnte man sagen: Schmerz ist komplex. Und eine gute Schmerztherapie muss den ganzen Menschen berücksichtigen – nicht nur ein einzelnes Symptom.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vortrag
- Frauen sind von bestimmten chronischen Schmerzerkrankungen häufiger betroffen. Stromer stellte Studien vor, nach denen Frauen bei manchen Erkrankungen auch höhere Schmerzintensitäten angeben.
- Schmerzverarbeitung ist komplex. Stromer zeigte Untersuchungen, in denen unterschiedliche Aktivierungsmuster verschiedener Gehirnregionen beobachtet wurden. Solche Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf alle Frauen und Männer übertragen.
- Migräne steht auch mit hormonellen Veränderungen in Zusammenhang. Sie war ein zentrales Beispiel dafür, wie Lebensalter und Menstruationszyklus das Schmerzgeschehen beeinflussen können.
- Sexualhormone können die Schmerzempfindlichkeit beeinflussen. Östrogen und Progesteron spielen laut Stromer sowohl bei der Schmerzempfindlichkeit als auch bei körpereigenen Mechanismen der Schmerzhemmung eine Rolle.
- Die Perimenopause kann auch die Schmerzwahrnehmung verändern. Durch die hormonellen Schwankungen kann sich die Schmerzempfindlichkeit in dieser Lebensphase verändern.
- Oxytocin könnte auch bei der Schmerzhemmung eine Rolle spielen. Das Hormon ist vor allem im Zusammenhang mit Geburt und Stillzeit bekannt, wird aber auch hinsichtlich seiner möglichen schmerzmodulierenden Wirkung untersucht.
- Nicht nur Hormone beeinflussen unser Schmerzempfinden. Auch körpereigene Botenstoffe und genetische Unterschiede können eine Rolle dabei spielen, wie Schmerzen verarbeitet werden.
- Schmerzmedikamente können bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken. Stromer erklärte, dass unter anderem Unterschiede beim Abbau in der Leber und bei der Verteilung im Körper eine Rolle spielen. Anhand von Opioiden, Paracetamol und entzündungshemmenden Schmerzmitteln zeigte sie, dass sich auch Wirkung und Nebenwirkungen unterscheiden können.
- Auch unser soziales Umfeld beeinflusst den Umgang mit Schmerzen. Gesellschaftliche Erwartungen und erlernte Verhaltensweisen können mitbestimmen, wie wir Schmerzen wahrnehmen, ausdrücken und wie andere darauf reagieren.
- Frauen können in der Schmerzversorgung benachteiligt werden. Eine von Stromer vorgestellte Studie mit rund 120.000 Frauen und Männern aus Notaufnahmen in Israel und den USA zeigte, dass die Schmerzen von Frauen im Durchschnitt etwa 30 Minuten später erfasst wurden und sie seltener Schmerzmittel erhielten. Stromer thematisierte außerdem, dass Beschwerden von Frauen häufiger unterschätzt oder vorschnell als psychisch bedingt eingeordnet werden können. Ein deutliches Beispiel dafür, wie sich Vorurteile auf die medizinische Versorgung auswirken können.
Paneltalk: Treatment Trends – Was ist sinnvoll und was nicht?
Dr. Julia Harl, Dr. Patrick Bantsich und Dr. Bibiana Kalmar, moderiert von Mag. Birgit Brieber.
Dieses Panel hat mir besonders gut gefallen. Denn bei all den neuen Gesundheitstrends, die uns ständig begegnen, finde ich die Frage wirklich wichtig: Was tut uns tatsächlich gut – und was macht uns vielleicht nur noch mehr Stress?
Es ging um Female Longevity, also darum, möglichst viele Jahre gesund und selbstständig zu leben. Dabei wurde auch kritisch hinterfragt, was uns heute alles als Verjüngung oder als Lösung für sämtliche Beschwerden verkauft wird. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Grundlagen so deutlich hervorgehoben wurden: Ernährung, Bewegung, Krafttraining, Schlaf, psychosoziale Gesundheit und das Wissen um die eigenen Risikofaktoren.
Back to the Basics
Das „Back to the Basics“-Prinzip scheint in der Medizin angekommen zu sein, und ich kann es nur unterschreiben: Mündige Patientinnen und Patienten sind so wichtig – aber eben auch Ärztinnen und Ärzte, die das fördern! Es ging natürlich auch um Eisenmangel, Nahrungsergänzungsmittel, Infusionen, Lipoprotein(a), Gesundheits-Tracker, Kältekammern, vaginale Behandlungen und GLP-1-Medikamente.
Die Diskussion über Gesundheits-Tracker fand ich besonders interessant. Denn nur weil wir immer mehr messen können, heißt das noch lange nicht, dass wir uns dadurch besser fühlen. Die Gefahr liegt darin, dass wir dabei sogar den Kontakt zu unserem eigenen Körpergefühl verlieren können. Was mir besonders gefallen hat, ist, wie eindrücklich die Expertinnen und Experten betonten, dass Beschwerden ernst genommen werden müssen und Behandlungen zur individuellen Lebenssituation passen sollten.
Möge das auch in allen Kassenpraxen ankommen – und am besten gleich bei den Krankenkassen! Und mögen Präventivmaßnahmen endlich auch in der Politik mehr Bedeutung bekommen. Om-om-om!
Die zehn wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Panel
- Longevity bedeutet gesunde Langlebigkeit – nicht möglichst viele Lebensjahre um jeden Preis.
- Nicht jedes Treatment hält, was die Werbung verspricht. Achtung bei überzogenen Verjüngungsversprechen!
- Die Grundlagen bleiben entscheidend: Ernährung, Bewegung, Schlaf und psychosoziale Gesundheit.
- Beschwerden müssen individuell abgeklärt werden. Pauschale Behandlungspakete passen nicht zu den unterschiedlichen Bedürfnissen und gesundheitlichen Voraussetzungen jeder Frau.
- Nicht jede Frau ist mit 35 oder 40 automatisch in der Perimenopause! Beschwerden sollten ernst genommen und mögliche Ursachen sorgfältig abgeklärt werden, statt sie vorschnell den Wechseljahren zuzuschreiben.
- Mehr Selbstkontrolle bedeutet nicht automatisch mehr Wohlbefinden. Selfcare statt Selbstoptimierung! Nicht alles, was wir messen können, müssen wir auch ständig kontrollieren.
- Nahrungsergänzungsmittel und Infusionen sollten nicht wahllos eingesetzt werden! Kenne deine Werte und finde heraus, was du wirklich brauchst!
- Krafttraining ist ein wichtiger Bestandteil gesunden Älterwerdens. Hol dir Unterstützung im Fitnesscenter und informiere dich! Sehr empfehlenswert sind Menschen wie Coach Noel (englisch) und Judith Binias. Aber vor allem auch die Bewegungsexpertinnen und -experten in deiner Nähe – die freuen sich, wenn sie von dem leben können, was sie wissen! 😎
- GLP-1-Medikamente sind medizinische Therapien und keine gewöhnlichen Wellness-Treatments! Informiere dich gut – eine Spritze ist nicht immer die Lösung.
- Jede Frau bringt andere Voraussetzungen mit. Wir sind einzigartig! 😎 Das zeigte sich besonders in den Publikumsfragen zu Lipoprotein(a), Muskelaufbau und Gelenkbeschwerden.
Den Vortrag „Welchen Einfluss die Gene auf die Perimenopause haben und wie dieses Wissen genützt werden kann“ mit Doz. DDr. Stefan Wöhrer habe ich leider versäumt – ebenso wie den Großteil des anschließenden Keynote-Talks zur optimalen Betreuung in den Wechseljahren.
Keynote-Talk: Optimale Betreuung in den Wechseljahren – der zweite Teil
Mit Prof. Dr. Petra Stute und Prof. DDr. Johannes Huber, moderiert von Dr. Veronika Pelikan.
Hier konnte ich erst beim zweiten Teil dabei sein. Aber auch dieser Abschnitt hatte es in sich! Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Frauen in den Wechseljahren künftig besser betreut werden können. Besonders deutlich wurde dabei, dass Leitlinien zwar wichtig sind, aber niemals die individuelle Betrachtung einer Frau ersetzen können.
Prof. Dr. Petra Stute, die später mit dem MenoAward 2026 ausgezeichnet wurde, stellte ihren 2025 gegründeten gemeinnützigen Verein MenoQueens vor. Mit Newslettern, Webinaren und Informationen über wissenschaftliche Studien möchte sie Wissen rund um die Wechseljahre zugänglich machen.
Interessant fand ich auch ihre Überlegungen zu neuen Versorgungsmodellen. Sie berichtete vom Aufbau einer Hybridklinik in der Schweiz, die persönliche und digitale Betreuung verbindet, und von der Idee spezialisierter Wechseljahresapotheken. Prof. Huber nahm uns anschließend mit in die Zukunft der Hormonforschung. Dabei ging es um Genregulation, epigenetische Mechanismen, kleine RNA-Moleküle und künstliche Intelligenz.
Was ich aus diesem Gespräch mitgenommen habe: Wir brauchen nicht nur mehr Wissen über die Wechseljahre, sondern auch neue Wege, damit dieses Wissen tatsächlich bei den Frauen ankommt.
Keynote: Zeitgemäße Hormonersatztherapie
Prof. Dr. Petra Stute
Dieser Vortrag war nicht nur unglaublich interessant, sondern auch richtig mitreißend! Prof. Stute erklärte zunächst, wie unser weiblicher Zyklus hormonell gesteuert wird und was sich während der Wechseljahre in der Eierstockfunktion verändert. Danach nahm sie uns mit auf eine Reise durch die Geschichte der Hormontherapie – von frühen Östrogenpräparaten über den Schutz der Gebärmutterschleimhaut bis zu den WHI-Veröffentlichungen von 2002 und den späteren Neubewertungen. (Sooo wichtig!!!)
Eine individuelle Beratung ist die Voraussetzung für eine passende Behandlung. Dabei geht es um Fragen wie:
- Welche Beschwerden stehen im Vordergrund?
- Was möchte die Frau mit einer Behandlung erreichen?
- Welche persönlichen Risiken müssen berücksichtigt werden?
Meine Anmerkung dazu: Was möchte ich eigentlich erreichen? Das ist sowieso eine so wichtige Frage – und zwar nicht nur bei medizinischen Behandlungen! Was ist mir wichtig und warum? Was hat welche Priorität? Und warum? Feiere ich sehr!
Wir sind alle unterschiedlich!
Stute sprach über bioidentisches Estradiol, Progesteron, synthetische Gestagene, Tibolon und Testosteron sowie über die Unterschiede zwischen systemischer und lokaler Hormontherapie. Anhand von drei Fallbeispielen zeigte sie, wie unterschiedlich die Ausgangssituationen sein können: eine Frau in der Perimenopause, eine postmenopausale Frau mit vaginalen Beschwerden und eine Patientin mit Brustkrebs in der Vorgeschichte.
Auch die mögliche Bedeutung von Hitzewallungen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit und die Schwierigkeiten in der medizinischen Versorgung waren Thema. In der Publikumsdiskussion beantwortete Stute Fragen zur Therapiedauer, zu Tibolon, sexuellen Beschwerden, ADHS, Gelenkschmerzen und Osteoporose.
Was mir besonders gefallen hat: Es ging nicht darum, eine einzige Lösung für alle Frauen zu finden, sondern darum, gemeinsam die passende Behandlung für die jeweilige Lebenssituation zu entwickeln.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vortrag
- Die Wechseljahre entstehen durch Veränderungen der Eierstockfunktion. Besonders während der Perimenopause kann die Hormonproduktion stark schwanken. (Ich hab dazu noch die Erklärung von Evi Hellweger im Ohr! Ich hoffe, sie schreibt es auch so in ihrem Buch! 🤣 Göttlich!)
- Wechseljahresbeschwerden sind vielfältig. Neben Hitzewallungen wurden Schlafstörungen, Erschöpfung, Brain Fog und urogenitale Beschwerden besprochen. Deshalb fand ich auch den ersten Paneltalk so wichtig – es haben sich immer wieder Kreise geschlossen. (Full-Circle-Moment 😉)
- Die WHI-Studie von 2002 veränderte die Hormontherapie grundlegend. Nach Hinweisen auf gesundheitliche Risiken brachen die Verschreibungen weltweit stark ein. Spätere Auswertungen zeigten, wie wichtig das Alter beim Therapiebeginn, der zeitliche Abstand zur Menopause und die Anwendungsform sind. Stute erklärte, warum die Hormontherapie heute wesentlich individueller beurteilt wird.
- Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ist entscheidend. Alter, Zeitpunkt des Therapiebeginns, Anwendungsform und Dosierung spielen dabei eine wichtige Rolle.
- Die Frau soll ihre Behandlungsziele mitbestimmen. Stute arbeitet nach eigener Aussage mit einer nach Wichtigkeit geordneten Liste der Beschwerden. So können die individuellen Bedürfnisse und Prioritäten besser berücksichtigt werden.
- Estradiol und Gestagene haben bei der Hormontherapie unterschiedliche Aufgaben. Estradiol kann Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Nachtschweiß lindern, regt aber auch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut an. Deshalb benötigen Frauen, die noch eine Gebärmutter haben, bei einer systemischen Östrogentherapie in der Regel zusätzlich ein Gestagen. Es schützt die Gebärmutterschleimhaut vor übermäßigem Wachstum und senkt damit das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Frauen ohne Gebärmutter benötigen normalerweise kein Gestagen.
- Systemische und lokale Hormontherapie helfen bei unterschiedlichen Beschwerden. Während eine systemische Hormontherapie, etwa als Gel, Pflaster oder Tablette, im ganzen Körper wirkt und vor allem bei Hitzewallungen und Nachtschweiß eingesetzt wird, behandelt eine lokale Östrogentherapie gezielt Beschwerden im Intimbereich. Dazu gehören Scheidentrockenheit, Brennen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Beide Therapieformen können bei Bedarf auch kombiniert werden.
- Hitzewallungen könnten auch etwas über die Herzgesundheit aussagen. Stute stellte Studien vor, die einen Zusammenhang zwischen häufigen oder starken Hitzewallungen und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko nahelegen. Ob eine Hormontherapie dieses Risiko tatsächlich senken kann, lässt sich aus diesen Beobachtungen allerdings nicht ableiten.
- Die medizinische Versorgung von Frauen in den Wechseljahren muss besser werden. Stute betonte, wie wichtig mehr Forschung, gut ausgebildete Fachkräfte und eine engere Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen sind. Denn Wechseljahresbeschwerden betreffen nicht nur die Gynäkologie, sondern können sich auf viele Bereiche der Gesundheit auswirken.
Paneltalk: Stoffwechsel – Was verändert sich in den Wechseljahren?
Mit Prof. Dr. Doris Gruber, Dr. Naghme Kamaleyan-Schmied, Sabine Huelsmann und Stephanie Neuner, moderiert von Mag. Birgit Brieber.
Auch dieses Panel hat mich darin bestärkt, wie wichtig es ist, den weiblichen (und überhaupt den menschlichen!) Körper als Ganzes zu betrachten. Die Expertinnen sprachen darüber, wie schwierig es manchmal ist, Wechseljahresbeschwerden richtig einzuordnen. Frauen kommen mit ganz unterschiedlichen Symptomen in verschiedene medizinische Fachrichtungen. Dabei wird nicht immer daran gedacht, dass hormonelle Veränderungen eine Rolle spielen könnten.
Auch die fehlende Zeit für ausführliche Gespräche und die strukturellen Probleme in der medizinischen Versorgung wurden dankenswerterweise angesprochen. (Siehe meinen Kommentar weiter oben.) Ein weiterer Schwerpunkt war unser Stoffwechsel. Sabine Huelsmann erklärte die sogenannte anabole Resistenz, also warum der Körper mit zunehmendem Alter weniger stark auf Reize zum Muskelaufbau reagiert. Sie hinterfragte dabei auch die starke Konzentration auf High-Protein-Produkte. Stephanie Neuner sprach darüber, wie Kräuter in der Prävention und bei der langfristigen Begleitung unterstützen können.
Zudem ging es um viszerales Fett, also das Fett, das sich im Bauchraum rund um die Organe ansammelt. Durch die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren kann sich die Fettverteilung verändern und mehr Bauchfett entstehen – auch ohne deutliche Gewichtszunahme. Das ist nicht nur eine Frage der Figur, denn viszerales Fett kann Entzündungsprozesse und Stoffwechselprobleme begünstigen.
Was mich besonders gefreut hat: Die Expertinnen waren sich einig, dass ein gesunder Lebensstil und grundlegendes Wissen über Ernährung, Bewegung und Schlaf essenziell sind.
Und es gab einige Sätze, die ich mir besonders gemerkt habe:
- Dein Körper ist für dich.
- Ein positives Körperbild ist wichtig.
- Selber kochen macht gesund.
- Neu nachdenken über Proteine.
- Kräuter als Unterstützung und langfristige Begleitung.
- Setze dich selbst auf deiner Prioritätenliste weiter nach oben!
Wichtige Erkenntnisse aus dem Stoffwechsel-Panel
- Wechseljahresbeschwerden betreffen unterschiedliche Organsysteme. Frauen suchen deshalb oft bei verschiedenen Fachärztinnen und Fachärzten Hilfe, etwa wegen Schlafproblemen, Herzrasen oder Gelenkschmerzen. Dabei wird nicht immer erkannt, dass die Beschwerden mit den hormonellen Veränderungen zusammenhängen könnten.
- Die Perimenopause sollte bereits bei Frauen um die 45 mitbedacht werden. Hormonelle Veränderungen und erste Beschwerden können schon auftreten, wenn die Menstruation noch regelmäßig ist. Ein regelmäßiger Zyklus schließt die beginnende hormonelle Umstellung also nicht aus.
- Eine umfassende Beratung benötigt Zeit. Die Expertinnen kritisierten, dass im medizinischen Alltag oft zu wenig Zeit bleibt, um Beschwerden, Lebensstil und mögliche Behandlungen ausführlich zu besprechen. Auch die Strukturen im Gesundheitssystem erschweren eine ganzheitliche Betreuung.
- Anabole Resistenz war ein wichtiges Stoffwechselthema. Huelsmann erklärte, dass der Körper mit zunehmendem Alter weniger stark auf Reize zum Muskelaufbau reagiert. Deshalb gewinnen Krafttraining und eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Eiweiß an Bedeutung, um Muskelmasse und Kraft zu erhalten.
- Die hormonellen Veränderungen können die Fettverteilung im Körper beeinflussen. In den Wechseljahren kann sich vermehrt viszerales Fett im Bauchraum rund um die Organe ansammeln, selbst ohne deutliche Gewichtszunahme. Dieses Fett ist stoffwechselaktiv und wird mit Entzündungsprozessen, Insulinresistenz und einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht.
- Es braucht ein Gesamtkonzept statt einzelner Maßnahmen. Die Expertinnen waren sich einig, dass Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf eine wichtige Grundlage für die Gesundheit in den Wechseljahren bilden. Hormonelle Behandlungen können je nach individueller Situation ergänzend sinnvoll sein, ersetzen diese Basis aber nicht.
Beim Vortrag „Testosteron – das geheime Powerhormon der Frauen“ von Prof. Dr. Johannes Ott war ich nicht dabei.
Hormone im Wandel – Optimaler Einsatz von Probiotika in den Wechseljahren
Dr. Eva Maria Hoffmann-Gombotz, in Kooperation mit OMNi-BiOTiC
Zum Abschluss ging es noch um ein Thema, das ich besonders spannend finde: unser Darmmikrobiom und seine Verbindung zur hormonellen Gesundheit. Dr. Eva Maria Hoffmann-Gombotz sprach über die Zusammenhänge zwischen Darmmikrobiom, Östrogenstoffwechsel und Wechseljahresbeschwerden. Besonders interessant fand ich, wie eng unser Darm mit anderen Bereichen des Körpers verbunden ist.
Vorgestellt wurde auch eine kleine, vom Hersteller finanzierte Studie zu einem Probiotikum. Für mich sind solche Ergebnisse noch keine ausreichende Grundlage für weitreichende Schlussfolgerungen. Die Zusammenhänge zwischen Darmgesundheit und Wechseljahren finde ich aber spannend und durchaus wert, näher erforscht zu werden.
Conclusio
Ich bin begeistert, dass es eine Initiative wie den MenoDay gibt! Er sollte im Kalender jeder Frau stehen, die sich für ihre Gesundheit interessiert und die Veränderungen unseres Körpers nicht als Krankheit, sondern als Zeit der Transformation sehen möchte. Wir sind ganz sicher nicht allein, Ladies!!! Wir sind viele!
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein herrlicher Vergleich aus dem Vortrag von Dr. Eva Maria Hoffmann-Gombotz: Die Pubertät war quasi das hormonelle Programm für die kleinen Mädchen. Und die Wechseljahre? Die sind das Programm für die „richtige, gestandene Frau“! 🤣
Und wie es so schön hieß: Wir reden schließlich von Wechseljahren und nicht von einem Wechselwochenende!
Was ich von diesem Tag vor allem mitnehme: Bei all den neuen Erkenntnissen, Behandlungsmöglichkeiten und Gesundheitstrends dürfen wir die Basis nicht vergessen. Ernährung, Bewegung, Schlaf, ein positives Körperbild und ein liebevoller Umgang mit uns selbst sind keine Nebensächlichkeiten.
Und genauso wichtig ist es, Fragen zu stellen, unsere Beschwerden ernst zu nehmen und bei medizinischen Entscheidungen mitzureden.
In diesem Sinne, Ladies: Es geht um euch! Wichtiger kann es also nicht sein.
Und wie steht es um deine eigene Balance?
Vielleicht fragst du dich nach all diesen Impulsen, wie du mehr Selbstfürsorge, Bewegung und bewusste Atempausen in deinen Alltag bringen kannst.
Denn bei all dem Wissen über Hormone, Stoffwechsel und Longevity dürfen wir eines nicht vergessen: Es geht immer auch darum, wie gut wir für uns selbst sorgen.
Wenn du herausfinden möchtest, wo du gerade stehst und was du für dich brauchst, dann lade ich dich herzlich zu meinem Balance-Check ein.
Ein erster Schritt, um wieder bewusster auf dich selbst zu schauen. 💛

