Warum es wichtig ist, eigene Bedürfnisse ernst zu nehmen, Grenzen auszusprechen und sich mit anderen Frauen zu verbinden.
Kennst du den Spruch „Be yourself, everybody else is taken“? Also sei du selbst, weil die anderen gibt es schon.
Das ist ein super Spruch, aber man selbst zu sein, das fällt einem gar nicht so leicht manchmal. Ich habe letztens erst wieder eine Situation gehabt, wo ich mir am Ende gedacht habe: Du hättest dich ein bisschen mehr zurücknehmen können. Warum hast du das so und so gesagt?
Und wenn du das auch kennst, dann ist diese Folge für dich.
Ich spreche über Frauenkraft und über meine Erlebnisse bei der Pure Pleasure in Wien. Ich war auch bei den Meno Days 2026, die mich sehr inspiriert haben. Das alles hat mich zu einer großen Frage geführt: Warum ist weibliche Lust noch immer ein Tabuthema?
Dabei geht es mir nicht nur um Sex. Es geht um das Dahinterliegende, um das, was wir uns erlauben und was wir uns trauen. Und darum, warum sich manches noch immer komisch anfühlt.
Weibliche Lust ist mehr als Sex
Als ich mir das Ticket für die Pure Pleasure gekauft habe, habe ich mich schon ein bisschen wie ein Bad Girl gefühlt. Auf der Webseite standen ganz viele Workshops, und mein Mann hat mich gefragt, ob er irgendwas versäumt hat. 🤣 Grundsätzlich stehe ich nicht auf Peitschen, Lack und Leder. Aber es hat mich trotzdem interessiert, weil die weibliche Lust, die weibliche Sexualität und die weibliche Freude im Vordergrund standen.
Und ich finde nicht, dass weibliche Lust grundsätzlich nur mit dem zu tun hat, was wir unter Sex verstehen.
Weibliche Lust ist für mich auch Kreativität. Weibliche Lust ist Ausdruck. Weibliche Lust ist Körperlichkeit und auch, den eigenen Körper kennenzulernen. Vor Jahren schon habe ich ein sensationelles Buch dazu gelesen: Pussy von Regena Thomashauer und auch Do Less von Kate Northrup hat mir gut gefallen, obwohl es in eine ganz andere Richtung geht. Darin beschäftigt sie sich mit dem Zyklus und damit, wie wir unser Zykluswissen besser einsetzen können.
Ich frage mich immer mehr, warum Lust eigentlich ein Tabu ist. Vor allem dann, wenn wir in Beziehungen stecken, in denen Sex vielleicht nicht so ist, wie wir ihn uns wünschen würden.
Stimmt etwas mit mir nicht?
Der Vortrag von Evie Hellweger auf der Pure Pleasure hat mich richtig wachgerüttelt! Sie hat von einer Frau erzählt, die sich immer schlafend stellt, weil der Sex mit ihrem Mann für sie unbefriedigend ist. Und diese Frau glaubt, dass sie deswegen eine schlechte Ehefrau ist.
Da denke ich mir: Wie vielen anderen Frauen geht es genauso?
Wie vielen Frauen macht Sex keinen Spaß, weil ihre Bedürfnisse einfach nicht mitberücksichtigt werden? Und wie viele glauben dann, dass mit ihnen selbst etwas nicht stimmt? Ich dachte mir: Endlich wird das mal angesprochen!! Denn wie sollen wir wissen, was uns gefällt, wenn wir uns nie damit beschäftigt haben? Wenn wir nie ausprobiert haben, was sich gut anfühlt und was nicht?
Ich bin zumindest so aufgewachsen, dass der eigene Körper auch mit Scham verbunden war. Da greif nicht hin, da schau nicht hin. Und wenn ich darüber nachdenke, merke ich, wie tief solche Vorstellungen in uns drinnen sein können.
Was mich auf der Pure Pleasure total berührt hat
Ich bin alleine zur Pure Pleasure gegangen. Ich hatte erzählt, dass ich hingehe, aber es hat sich niemand gemeldet, der mitkommen wollte – und es war ein unglaublich tolles Erlebnis!
Die Menschen dort waren offen und neugierig. Ich habe sensationelle Gespräche geführt, übrigens nicht über Sex. Wir haben miteinander gesprochen und uns in unseren Geschichten wiedererkannt. Vor allem aber habe ich etwas gelernt, das mich tief berührt hat: wie wichtig Kommunikation im Zwischenmenschlichen ist.
Das wissen wir wahrscheinlich sowieso seit Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch in meiner Mediationsausbildung war Kommunikation ein großes Thema – Aber warum funktioniert sie dann ausgerechnet bei der angeblich wichtigsten und schönsten Sache der Welt oft nicht?
Zu sagen, was mir gefällt. Zu sagen, was mir nicht gefällt. Und darauf vertrauen zu können, dass mein Gegenüber mich hört und mein Wohlbefinden wichtig nimmt. Es gab eine Bondage-Präsentation, bei der mich der Umgang der beiden Menschen miteinander extrem berührt hat. Da war so viel Vertrauen und Kommunikation zu beobachten. Kleine Worte, Sätze und Nachfragen! Da habe ich mir die Frage gestellt, wie sehr ich das selbst schaffe. Und wie sehr ich meinem Partner vertraue, dass er meine Bedürfnisse auch annehmen kann.
Es geht dabei gar nicht darum, dass ich Bondage oder irgendwelche Techniken ausprobieren möchte. Es geht darum, dass wir anfangen, miteinander zu sprechen. Ich darf neugierig sein und etwas ausprobieren. Und ich darf danach auch sagen, dass es mir nicht gefällt.
Wir sind verdammt noch mal alle richtig.
Die Meno Days: Es ist os wichtig, ernst genommen zu werden!
Eine Woche nach der Pure Pleasure war ich beim Meno Day 2026 im Palais Niederösterreich. Ich war zum zweiten Mal dabei und fand die Veranstaltung wieder sensationell organisiert. Es gab Vorträge und Workshops rund um die Wechseljahre und Frauengesundheit. Ich habe mich entschieden, vor allem die Vorträge zu besuchen.
Auch hier ging es um etwas, das mich schon lange beschäftigt: wahrgenommen, angenommen und ernst genommen zu werden. Wie lange suchen Frauen manchmal nach jemandem, der ihre Beschwerden ernst nimmt? Wie oft hören sie, dass etwas nicht sein kann, obwohl sie es selbst ganz deutlich spüren?
Das kenne ich auch aus meinem eigenen Leben.
Ich bin lungentransplantiert, und wenn man über viele Jahre Medikamente nimmt, macht das etwas mit dem Körper. Es gibt viele andere Frauen, die ebenfalls lungentransplantiert sind. Aber wird über alle damit verbundenen Themen in der Community gesprochen? Nein.
Ich habe einmal angeregt, dass wir darüber reden sollten. Darauf wurde mir hinter vorgehaltener Hand gesagt, ich solle das lieber nicht machen, weil darüber niemand reden möchte.
Warum, verdammt noch mal, nicht?
Ich verstehe es nicht. Wollen wir leiden? Ich glaube nicht! Wer schön sein will, muss leiden. So ein Blödsinn. Wer Frau sein will, muss leiden? Nein. Ich glaube, es gibt unglaublich viele Themen, bei denen andere Frauen sagen würden: Ja, das habe ich auch – und genau dieses Wiedererkennen kann so viel verändern.
Warum wurden Frauen eigentlich zum Schweigen gebracht?
Ich denke gerne in Vernetzungen und folge auf Instagram einigen Accounts, die Heldinnengeschichten erzählen. Ich finde es unglaublich inspirierend, was Frauen über die Jahrhunderte alles gemacht haben – aber es ist auch frustrierend und schockierend, wie Frauen behandelt worden sind!
Eine Geschichte, die mich besonders beschäftigt hat, ist die von Nellie Bly. Sie ließ sich 1887 in eine psychiatrische Anstalt einweisen und berichtete anschließend über die Missstände dort. Solche Geschichten bringen mich zum Nachdenken. Frauen wurden über lange Zeit in vielen Bereichen nicht ernst genommen, bevormundet oder zum Schweigen gebracht. Ich glaube wirklich, dass unsere heutige Scham und dieses Nicht-darüber-Reden auch mit solchen gesellschaftlichen Vorstellungen zusammenhängen.
Und gleichzeitig gab es immer wieder Frauen, die sich nicht mundtot machen ließen.
Ich folge zum Beispiel Jana Stefanie, die unter dem Namen Bad Bitch History Frauengeschichten erzählt. Frauen waren schon immer extrem cool. Ich finde diese Aufklärungsarbeit unglaublich wichtig, weil sie Geschichten sichtbar macht, von denen viele von uns vielleicht noch nie gehört haben. (sh unten)
Frauen brauchen Frauen
Bei den Meno Days wurde auch Professor Dr. Petra Stute ausgezeichnet. Sie engagiert sich mit den Meno Queens für die Frauengesundheit und dafür, dass Frauen die richtigen Informationen und Behandlungen bekommen. Auch Initiativen wie Wechselweise und die Arbeit der Veranstalterin der Pure Pleasure beeindrucken mich.
Ich finde es so wichtig, dass Frauen zusammenkommen, sich austauschen und miteinander sprechen, denn Verbindung schafft Sichtbarkeit. Und ja, das kann unangenehm sein. Wenn wir anfangen, offen zu reden, kommen manchmal Themen auf, über die bisher geschwiegen wurde. Aber wenn wir nicht darüber sprechen, fühlen wir uns allein. Und alleine glauben wir vielleicht, dass wir nichts verändern können.
Deswegen mache ich auch diesen Podcast. Der Krisenfest-Podcast hat mit dem Projekt „Wir sind krisenfest“ angefangen. Das Motto war: Gemeinsam ist man weniger allein. Und das zieht sich nach wie vor durch meine Folgen.
Ich mache diesen Podcast, damit du dich weniger allein fühlst. Damit du dich in den Themen wiederfindest und merkst, dass zumindest eine andere Person ähnliche Gedanken hat. Manchmal reicht schon das.
Trau dich, du selbst zu sein
Ich habe jahrelang über manche dieser Themen nachgedacht und jetzt spreche ich öffentlich darüber in meinem Podcast und auch das ist für mich ein Schritt. Vor Kurzem war ich auf einer Veranstaltung, bei der ich einfach ich selbst war. Und danach habe ich mir gedacht, vielleicht hätte ich ein bisschen weniger ich sein sollen.
Aber genau solche Sätze haben in unserem Kopf eigentlich nichts verloren.
Wie oft begrenzen wir uns selbst, weil wir darüber nachdenken, was andere vielleicht von uns halten? Dabei wissen wir nicht einmal, ob diese Gedanken überhaupt stimmen. Ich bin ich. Und es hat einen Grund, warum ich ich bin. Ich bin auch nicht immer die beste Version meiner selbst. Manchmal ist es schwierig und anstrengend. 🙈 Aber ich darf fühlen, was ich fühle. Ich darf meine Gefühle wahrnehmen und schauen, was ich daraus über mich lernen kann.
Mir wurde als Kind öfter gesagt, dass neugierige Menschen bald sterben. Wenn man so etwas als kleines Mädchen hört, hinterlässt das Spuren – Aber ich darf neugierig sein! Ich gebe mir heute die Erlaubnis dazu! Ich darf etwas mögen oder nicht mögen. Ich darf mich verändern, meine Grenzen haben und meine eigene Geschichte leben – und ich muss mich dafür nicht rechtfertigen.
Selbstbestimmung bedeutet für mich auch, mir selbst zuzuhören und mir eine Stimme zu geben. Ich darf Fragen stellen und mich mit meinen Bedürfnissen beschäftigen. Ich darf sie aussprechen. Und wenn ich nicht auf Resonanz stoße, darf ich mir Resonanz suchen. Die Pure Pleasure und die Meno Days waren für mich solche Orte der Begegnung. Und ich möchte noch mehr davon entdecken! Denn es ist so wichtig zu wissen, dass wir nicht alleine sind. Trau dich, du selbst zu sein.
Frauen, die Frauengeschichten sichtbar machen
Ich möchte diesen Blog auch dazu nutzen, inspirierende Frauen, Initiativen und Instagram-Accounts zu sammeln. Menschen, die Frauengeschichten erzählen, aufklären und Themen sichtbar machen, über die viel zu lange geschwiegen wurde.
Hier sind drei Accounts, die ich dir für den Anfang vorstellen möchte:
HerStory – @herstory_pod
Jasmin Lörchner erzählt in ihrem HerStory-Podcast von Frauen aus der Geschichte. Von Frauen, deren Geschichten wir kennen sollten und die in der Geschichtsschreibung oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommen haben. Instagram
Frauen Geschichte – @frauen_geschichte
Ein Account, der historische Frauengeschichten sichtbar macht und dazu einlädt, Geschichte aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Instagram
Jana Stefanie – @janaxstefanie
Mit ihren Bad-Bitch-History-Beiträgen erzählt Jana Stefanie Geschichten über Frauen und ihre Leistungen. Ich finde es unglaublich inspirierend, diese Geschichten zu entdecken. Instagram
Ella TheBee – @ellathebee
Ella spricht über Selbstbestimmung, Feminismus und die Erwartungen, die an Frauen gestellt werden. Sie hinterfragt gesellschaftliche Rollenbilder, beschäftigt sich mit persönlichen Grenzen und erzählt auch Geschichten von Frauen, die mehr Aufmerksamkeit verdienen. Instagram
Jasmine Anderka – @rockyourbeauty.jassy
Jassy beschäftigt sich mit Selbstwert, Selbstbewusstsein und der Frage, wie Frauen ihren eigenen Weg gehen können. In ihrem Podcast Queen of Rebirth spricht sie über persönliche Veränderungen, Körpergefühl und darüber, warum Frauen einander stärken sollten, statt sich gegenseitig kleinzumachen. Instagram
Work in Progress
Welche Frauen und Accounts inspirieren dich?
Ich möchte diese Sammlung gerne gemeinsam mit dir erweitern! Kennst du einen Instagram-Account, der vergessene Heldinnen sichtbar macht, über Frauengesundheit aufklärt oder Frauen ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen? Dann teile ihn gerne unten in den Kommentaren oder schreib mir direkt! Schreib bitte auch dazu, warum du gerade diesen Account empfiehlst. Was hat dich berührt, überrascht oder zum Nachdenken gebracht? Welche Geschichte ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
So kann hier nach und nach eine Sammlung entstehen, in der wir neue Stimmen entdecken und einander inspirieren. Denn gemeinsam sind wir weniger allein.
Erwähnt in dieser Podcastfolge
Veranstaltungen und Initiativen
- Pure Pleasure Wien: https://www.purepleasure.at/wien2026
- Meno Days 2026: https://www.wechselweise.net/menoday
- Meno Queens: https://www.menoqueens.com/
Bücher
- Pussy: Hol dir deine weibliche Kraft zurück! – (Amazon-Affiliate-Link)
- Do Less: A Revolutionary Approach to Time and Energy Management for Ambitious Women (English Edition) – Kate Northrup (Amazon-Affiliate-Link)
- Entromantisiert euch!: ein Weckruf – Beatrice Frasl (Amazon-Affiliate-Link)
(Historische) Persönlichkeiten
- Nellie Bly – Journalistin, die 1887 Missstände in einer psychiatrischen Anstalt aufdeckte.
Spiegel - Paul Watzlawick: https://www.paulwatzlawick.de/

