Kennst du das Spiel „Pflicht oder Wahrheit“?

Kennst du das Spiel „Pflicht oder Wahrheit“? Ich denke, die meisten wählen lieber Pflicht, denn wer will schon wirklich immer die Wahrheit sagen müssen? Kommt drauf an, welche Frage, denkst du jetzt vielleicht.

Der Aufruf zur Blogparade von Vera Wollenweber und ihr Thema Auf welche Grenze bist du stolz? hat für mich genau diesen Charakter.

Warum?

Weil jede Grenze, auf die ich stolz bin, zwei Dinge zeigt. Erstens einen zutiefst verletzlichen Teil von mir und zweitens einen Ort in meinem Leben, an dem ich sehr oft verletzt wurde. Sonst merkt man das ja nicht, oder? Dass da eine Grenze ist.

Grenzen werden dort sichtbar, wo es wehgetan hat

Schwierigkeiten, dir das vorzustellen?

Spür mal deinen Arm und deine Hand. Hast du dich bereits einmal verletzt? Verbrannt, geschnitten, geprellt …?

Wie nimmst du ihn jetzt gerade wahr?

Und dann geh in deiner Erinnerung an den Tag der Verletzung oder den Moment. Hat wehgetan, oder?

Die Haut ist unsere Grenze nach außen. Nicht umsonst sagt man zu Menschen, die viel aushalten oder viel „einstecken“ können, sie hätten eine „dicke Haut“.

Also ein spannendes Thema, das daherkommt mit einer Frage, die auf ein starkes Jetzt und einen längeren Weg hindeuten. – Mag ich.

Meine wichtigste Grenze

Ich denke, die Grenze, auf die ich heute am meisten stolz bin, ist die, dass ich mich selbst für wertvoll halte – unabhängig von den Meinungen anderer.

Es kann wirklich jeder eine Meinung von mir haben. Gern auch mehrere. 😏

Stört es mich, wenn manche Menschen eine Meinung über mich haben, die sehr weit weg von meinem Selbstbild ist?

Ja.

Tut es.

Aber was ich heute anders mache, ist: Ich schaue hin, warum mich das triggert. Ist das etwas, wo ich nicht hinschauen will? Eine Eigenschaft, die ich nicht mag?

Oft ist es die Tatsache, dass ich keine Möglichkeit habe zu antworten. Das liegt aber auch daran, ob es mir wichtig ist.

Ist also ein wunderbarer Spiegel.

Was du über mich denkst ist nicht mein Problem

Not sorry. Überhaupt nicht.

Mir ist Offenheit sehr wichtig und ich bin jemand, der gern Klarheit hat. Das bedeuet, wenn es ein Problem gibt, dann artikuliere ich es. Inzwischen habe ich aber auch gelernt, nicht mehr jede Nachricht wegzuschicken, weil ich merke: Es ist nur mir wichtig. (Stelle ich fest und unterstelle das hier einfach)

Wenn ich es gesagt habe, bemerkt habe, dass da kein Landeplatz ist, dann lasse ich es los. Das ist auch so eine Grenze: Ich lasse nicht mehr jeden kostenfrei in meinem Kopf wohnen.

Ein paar Beispiele

Wenn ich von jemand anderem höre, dass X oder Y das oder jenes über mich denkt. Eifersucht war hier das letzte Thema. Und es gab kein Gespräch, dann lass ich es bei X oder bei Y. Es wird einen Grund haben, warum dieser Gedanke für X oder Y wichtig ist.

Gerade habe ich meine Mails ausgemistet und eine Antwort von einer Kundin gelesen. Sie hatte einen Termin angefragt. Es war knapp, aber ich wollte gern zurückrufen. Das habe ich gleich zu Anfang des Gesprächs gesagt und auch einen weiteren Anruf angeboten.

Aber es kam ganz anders an, denn sie antwortete: „Ich habe mich gestern nach dem Rückruf geärgert, weil du ja keinerlei Zeitressourcen hattest und aber zurückgerufen hast. Das fand ich alles andere als ideal.“

Andere ärgern sich, wenn man nicht gleich zurückruft.

„Einem jeden recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ das sagte meine Oma immer. 🖤 Und es ist so.

Meine Grenze ist hier: loslassen, was ich nicht ändern kann.

Die Mail findet sich übrigens in meinem Dankbarkeitsordner, um mich daran zu erinnern.

Meine Grenze heute

Meine Grenze ist ein klares Ja oder ein klares Nein und mir die Zeit auszubitten, die ich brauche, um gut antworten zu können.

Man könnte es auch kurz zusammenfassen:

Meine Grenzen bewegen sich, weil ich immer besser lerne, mich selbst zu akzeptieren, wie ich bin. Ich meine Wünsche und Bedürfnisse immer besser kenne und meinen inneren Kompass immer mehr darauf ausrichte, wie ich mich fühle – und durch meine Arbeit an mir selbst auch weiß, wie ich mich fühlen will, was mir wichtig ist und was nicht, was mir guttut und was nicht, was ich brauche und wovon ich weniger möchte.

Grenzen fühlen lernen

Ich habe für mich verstanden, dass das wichtig ist, denn Selfcare ist kein Extra.

Aus diesem Grund habe ich auch den Selfcare-Kompass entwickelt. Er besteht aus einer Anleitung, einer Meditation und einem Blatt Papier.

Wenn du magst, hol dir deinen Selfcare-Kompass für 0 Euro

Mit ihm findest du Klarheit über all diese Dinge und wirst immer mehr dahin kommen, deine Grenzen so selbstverständlich zu fühlen wie deine Haut.

Sie ist einfach da – und nur, wenn sie verletzt wird, tut sie weh.