Warum Selbstfürsorge nicht beim Yoga oder Sport beginnt, sondern bei der Wahrnehmung deiner Bedürfnisse
Kannst du dir selbst vertrauen?
„Spür doch einfach in dich hinein, dein Körper sendet dir Signale, du musst sie nur wahrnehmen.“
- Kennst du das und denkst du dir manchmal auch:
- Woher soll ich denn wissen, wie das geht?
- Wie soll ich mich denn fühlen?
- Was ist denn ein gutes Gefühl und was ist ein schlechtes?
- Und wie kann ich darauf vertrauen, dass das jetzt richtig ist, was ich fühle?
Vor einiger Zeit habe ich einen Podcast einer Kollegin gehört, die ich sehr schätze, und sie sagt, man soll in den Körper reinfühlen und dann mit den Triggern arbeiten. Und dann habe ich mir gedacht: Das ist alles super. Aber was ist der Weg davor?
Selfcare ist eigentlich nicht die Handlung an sich. In Yoga zu gehen, in den Sport zu gehen, sich etwas zu gönnen, etwas für sich zu machen – das ist alles super. Aber das ist eigentlich schon das Ende des Gedankens: Ich möchte gerne etwas für mich tun!
Auch Selbstvertrauen ist so ein Wort, das für mich gar nicht so einfach ist. Weil das bedeutet: „Ich vertraue mir selbst“ – und das ist etwas, das schon manchmal schwierig ist.
- Wie geht es mir gerade eigentlich?
- Wie fühle ich mich denn?
- War das jetzt in Ordnung für mich oder nicht?
Da beginnt es, beim wahrnehmen und bei der Frage:
- Was ist wahr für mich?
- Kann ich mir selbst vertrauen?
- Kann ich meinen Impulsen vertrauen?
- Kann ich meinen Emotionen vertrauen?
- Kann ich meinen Gedanken vertrauen?
- Kann ich meinen Handlungen vertrauen?
- Kann ich darauf vertrauen, dass ich es wirklich gut mit mir meine?
Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Eigentlich ist es das Gegenteil. Denn wenn Du auf dich schaust, wenn du dir selbst vertraust, dann kann auch jemand anderer darauf vertrauen, dass Du, wenn Du Ja sagst, Ja meinst und wenn Du Nein sagst, auch Nein meinst.
Ich glaube, dass dadurch sehr viel mehr Klarheit in die Welt kommt.
Wie nehme ich wahr, was ich fühle?
Bevor wir darüber sprechen „Spür in dich hinein“, finde ich die Frage spannend:
- Wie nimmst du denn wahr, was du fühlst?
- Kennst du das, dass du in einer Situation bist und du fühlst dich unwohl und du weißt gar nicht warum?
Für mich ist da eine super Übung zu sagen: Stelle dir eine Situation vor, an die du dich gerne erinnerst. Eine Situation, in der du dich wohl gefühlt hast. Wo es dir gut gegangen ist.
Dann gehst du in deiner Erinnerung zurück.
- Wer war denn dabei?
- Wie hat sich das angefühlt?
- Was ist in dieser Situation gewesen, dass ich mich wohl gefühlt habe?
Wenn Du dich wohl gefühlt hast, bedeutet das auch, dass Du ein Gefühl von Sicherheit gehabt hast.
Warum fällt es uns so schwer zu fühlen?
„Wie geht es dir denn heute? Spüre mal, was du brauchst.“
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe das in der Schule nicht gelernt. Ich habe gelernt, möglichst still zu sein. Möglichst keine Extrawürste zu haben. Wenig aufzufallen. Möglichst niemandem auf die Nerven zu gehen. Und wie bitte soll man, wenn man das als Grundvoraussetzung hat, lernen zu spüren, was gerade in einem selbst los ist?
Dann ist man ja ständig in der Fragestellung:
- Ist das, was ich fühle, überhaupt richtig?
- Bin ich nicht komisch?
- Bin ich nicht seltsam, wenn ich das und das will?
- Bin ich nicht anstrengend für die anderen?
Ich habe das oft gehabt und ich habe lange gebraucht zu lernen: Okay, ich fühle mich nicht wohl. Weil … Seitdem ich das weiß, kann ich viel besser auf mich achten.
Wie kann ich lernen Körpersignale zu verstehen?
Ich weiß inzwischen, wenn ich müde werde, wenn ich so itchy werde, dann muss ich raus aus der Situation. Manchmal kann ich nicht direkt rausgehen, dann kann ich zum Beispiel vor die Tür gehen, oder aufs Klo. Ich kann eine Hand aufs Herz legen oder auf den Bauch. Wenn ich merke, ich brauche jetzt mehr Sicherheit, dann gebe ich sie mir, das habe ich inzwischen verstanden gelernt und wende es an.
Wenn dieses Gefühl kommt, ist es nicht mehr „komisch“, sondern ein Signal um das du dich darum kümmern kannst – entweder in der Situation oder danach.
Ich bin ein Fan von Lernen am Modell. Das heißt, wir sind unser eigenes Modell.
Wenn wir lernen: In der Situation geht es mir nicht gut und ich weiß aus einer Erinnerung, wie sich eine Situation anfühlt, in der ich mich wohl fühle, dann weiß ich auch aus einer Erinnerung, wie sich eine Situation anfühlt, in der ich mich nicht wohl gefühlt habe.
Wenn wir das zusammen tun, dann weiß ich: Das nächste Mal, wenn ich das spüre, brauche ich etwas von dem, was mir gutgetan hat.
Woran erkenne ich, dass sich etwas nicht gut anfühlt?
Nimm eine Situation, in der du dich wohl gefühlt hast.
- Spüre hinein.
- Was war in der Situation?
- Warum hast du dich wohl gefühlt?
- Wer war da bei dir?
- Was war das Setting?
Und dann nimm eine Situation, in der du dich nicht wohl gefühlt hast.
Es muss nichts Großes gewesen sein, vielleicht war das Gefühl einfach nur „komisch“, seltsam oder fremd. Aber was genau was denn das Komische?
- Was war das Unangenehme?
- Was war dein Körpergefühl?
- Wie hat sich das angefühlt?
In den meisten Fällen fühlt sich das eng an – und das, was sich gut anfühlt, fühlt sich weit an – das ist schon so eine Minischraube, die du einsetzen kannst. Wenn Du merkst, du fühlst dich eng, dann untersuche:
- Warum fühle ich mich eng?
Vielleicht reicht es, den Platz zu wechseln, sich anders hinzusetzen, mehr Bodenkontakt oder einmal tief durchatmen.
Muss ich immer sofort reagieren?
Meine Antwort: Nein. Wir sind oft viel zu schnell und denken wir müssen in der Sekunde antworten – aber wir haben Zeit – zumindest einen Atemzug lang, einen Moment des Spürens, dann können wir kurz überlegen – das ist meistens auch der bessere Weg.
Weil wir dann vielleicht nicht Ja sagen, wo wir eigentlich Nein meinen, denn ich kann auch sagen:
- „Ich denke darüber nach.“ Das ist eine völlig legitime Antwort.
- „Ich denke darüber nach. Bis wann brauchst du die Antwort?“
Je öfter du das machst, umso leichter wird es dir fallen, die Signale deines Körpers zu verstehen.
Was hilft, wenn ich im Nachhinein merke, dass etwas nicht gepasst hat?
Das ist eine Übung die ich sehr gern mache.
Stell dir vor, du hast in einer Situation nicht so reagiert, wie du dir das gewünsch hättest. Dann kannst du dir im Anschluss überlegen:
- Wie hätte ich souverän reagieren können? oder
- Was hätte ich in dem Moment gebraucht?
In Gedanken setz dich dann noch einmal hinein in die Situation und kläre sie für dich. Reagiere anders. Damit kannst du auch möglcihe Gedankenspiralen auflösen und in einer neuen Situation, die vielleicht ähnlich ist, ganz anders agieren und reagieren.
Was passiert, wenn ich die Signale meines Körpers ignoriere?
2007 hatte ich ein Burnout. Jahrelang hatte ich die Signale meines Körpers einfach übersehen – eigentlich ignoriert.
Wenn du also jetzt beginnst, deine Signale wahrzunehmen und zu schauen, dann wirst du besser werden darin, das zu erkennen. Manchmal ist den Körper zu verstehen und Signale zu verstehen ein langer Weg, manchmal braucht es Begleitung. Ob das jetzt eine Lebens- und Sozialberaterin ist oder eine Psychologin – was besser für dich passt.
Ich selbst habe sehr lange Therapie gemacht und es hat mir sehr gut getan – und tut es noch.
Unterstützung holen – ja oder nein und wie?
Manchmal steckt hinter dem, was wir spüren, einfach eine größere Geschichte. Dann ist es gut, wenn jemand da ist, der die richtigen Fragen stellt. Eine Yoga-Schülerin hat mir einmal erzählt, dass sie Panikattacken und Schlafstörungen hat und dann haben wir geschaut, was gerade alles los ist: Ein Todesfall, eine Pensionierung, ein Wohnungswechsel. Das war ganz schön viel Veränderung auf einmal und das nimmt uns Sicherheit! Als das sortiert worden ist, wurde es leichter.
Das kann manchmal sehr schnell gehen – Muss aber nicht.
Tipp: Hilfe in Krisensituationen
Was bedeutet Selbstvertrauen für mich?
Selbstvertrauen bedeutet für mich:
Ich vertraue mir selbst. Weil ich weiß, ich sorge gut für mich, weil ich weiß, ich nehme mich ernst. Und wenn es kein anderer tut: Ich mache es, ich bin für mich da – Hundertprozentig.
Wenn ich Hunger habe, esse ich etwas, wenn ich durstig bin, trinke ich etwas, wenn ich merke, ich brauche Ruhe, gönne ich mir Ruhe und wenn ich merke, ich brauche eine Pause, gönne ich mir eine Pause – eine echte Pause.
Welche Verbindung hast du zu deinem Körper?
Lerne deinen Körper kennen! Dein Körper ist dein bester Freund, wirklich und auch wenn es manchmal nicht so aussieht – dein Körper meint es gut mit dir und dein Körper will das Beste für dich – auch wenn er nicht so funktioniert, wie er (deiner Meinung nach) soll(te). Ohne ihn gibt es dein Leben so wie du es kennst auf diesem Planeten nicht und er zeigt dir auf einer Ebene, wenn etwas nicht stimmt.
Wenn du all diese Signale ignorierst, sagt dein Körper irgendwann: „Jetzt kann ich nicht mehr.“ – und später der Geist sagt auch.
Wir brauchen uns im Ganzen – Körper – Geist und Seele. Deswegen finde ich es so wichtig, sich selber kennenzulernen und liebevoll mit sich umzugehen – und das ist der Beginn von Selfcare.
Die Fragen: Was brauche ich? – und warum.
Kann ich lernen meinem Körper zu vertrauen?
Ich habe vor ungefähr 25 Jahren eine Übung kennengelernt, sie nennt sich: das Körperpendel. Du kannst zum Beispiel sagen:
„Mein Name ist (dein Name).“ – und wenn es stimmt, wird sich dein Körper auf eine weise anfühlen. Wenn du aber zum Beispiel sagst: mein Name ist: Linda (und falls zu zufällig wirklich Linda heißen solltest, bitte hier einen andern Namen verwenden 😉), sagst du etwas, das nicht stimmt.
und dein Körper wird wieder reagieren, weil er weiß, was wahr ist.
Probier es einfach aus. 😉
Je öfter ich das gemacht habe, umso leichter ist es mir auc gefallen, Entscheidungen zu treffen. Je öfter ich auf mein Ja und mein Nein gehört habe, umso mehr Vertrauen ist entstanden.
Wie kannst du dir selbst vertrauen?
Ich glaube, Vertrauen wächst langsam. So wie Vertrauen zu einem anderen Menschen auch langsam wächst. Wir haben zwar ein gewisses Basisvertrauen, und wenn wir dann immer mehr spüren: Hey! ich meine es ja gut mit mir!, dann kann Schritt für Schritt mehr Vertrauen entstehen – und wenn du weißt, dass du 100% hinter dir stehst, oder dich zumindest wirklich, wirklich bemühst, für dich so oft wie möglich da zu sein, dann wächst dein Selbstvertrauen einfach mit.
Von heute auf morgen – eher nein. Aber mit der Zeit, je öfter du zulässt wahr-zu.nehmen, und das dann ernst zu nehmen, und dann richtig lernst dir selbst zuzuhören, dann wir Selfcare total leicht, weil du weißt, was dir wann gut tut und du das dann auch tust,
Denn echte Selfcare beginnt genau im Moment des Gedankens vor der Handlung.
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