Und wieder eine Blogparade.

Diesmal eine, die mich besonders berührt hat. Zuerst wusste ich nicht, was ich hier genau schreiben soll, als ich Katja Hammeschmidts Aufruf gesehen habe. Was ich von meinem Tier gelernt habe fragt sie und ich habe so einen Beitrag schon einmal geschrieben – Was mich mein Welpe über Yoga lehrt – Yoga mit Hund.

Das war vor 7 Jahren – heute hat dieses Tier mein Leben in einer Weise verändert, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Tiere sind große Lehrer. Nicht aufgrund ihrer Intelligenz sondern auf Grund dessen, wie sie leben. Sie kommen nicht auf die Welt um etwas zu erreichen. Sie sind da, um sie selbst zu sein – und vielleicht auch – um uns daran zu erinnern, dass wir nicht auf die Welt gekommen sind, um To-do-Listen abzuarbeiten.

Ein Hund bringt mich zum Innehalten

Ich bin ein Workaholic. Meine Arbeit macht mir Freude und manchmal arbeite ich durch. Ich weiß, dass das nicht optimal ist und deshalb freu ich mich über die kleinen Unterbrechungen. Zum Beispiel wenn Pino kommt und kurz murrt um mich darauf aufmerksam zu machen, dass es Zeit wäre für sein nächstes Fressen.

Um 19h weiss er dann – ok, raus aus dem Arbeitszimmer und wird deutlicher. Wir gehen jeden Tag eine Runde. Sowieso, aber vor allem wenn mein Mann dann zu Hause ist, findet Pino, wir sollten alle in einem Raum sein.

So nervig, so schön.

Er spielt auch nicht viel, aber ein paar Minuten am Tag müssen sein – auch ungefähr um diese Uhrzeit. Wir haben unsere Rhythmen. Das ist gut. Für ihn und für mich.

Ich merke aber immer mehr, dass ich bewusst inne halte, wenn ich merke, er würde gern gestreichelt werden – und manchmal auch weil er einfach so süss ist.

Dann unterbreche ich meinen Weg, setze mich hin und streichle ihn. Meistens zu kurz findet er, aber immer gut für uns beide. Ich bleib gern stehen für ihn, bei ihm. Besonders im Sommer sucht er kühle Plätze. Im Winter oder bei normalen Temperaturen kann ich sein schnarchen am Vormittag beim Arbeiten in meinem Zimmer hören.

Ich liebe dieses Geräusch. Manchmal seufzt er und streckt sich. Ich liebe diese Momente. Sie holen mich immer auf die schönst-mögliche Weise raus aus dem was ich tue und in den Moment. In die andere Qualität die dieser Moment auch hat – das Sein.

Heute zum Beispiel war auch so ein Moment. Er liegt, lang ausgestreckt, der Kopf zwischen den weissen Pfoten. Er sieht mich, ich neige mich zu ihm – und er wedelt mit dem Schwanz. So ein Freude Moment der mir manchmal das Herz zerreisst, weil ich wohl im Gegensatz zu ihm um die Endlichkeit der Lebenszeit bewusst bin. Möge er noch lange so gesund sein.

Zeitgefühl – Time is on my side?

Pino wird im September sieben Jahre alt. Inzwischen ist er ein Senior. Es fühlt sich so surreal an. Er kam doch erst gerade in unser Leben. Als wir gestern bergab gingen und es heiß war, hat er begonnen seine Hüften komisch zu bewegen. Ich habe ihn einen Teil der Strecke getragen. 12,5 kilo Liebe – entweder ich trainiere mehr oder ich besorge für solche Momente einen Tragebeutel.

Er lies es sich gefallen – ein Zeichen dafür, dass es gut war. Es wäre zuviel gewesen. Ich bin froh, dass ich ihm die Möglichkeit geben kann immer wieder auszuruhen. Das schenkt er mir auch. Diese Aus-Zeiten, das Langsamer werden, das nicht weiter antreiben, das ich von mir so gut kenne.

Pino hat eine Lebenserwartung von 12-14 Jahren. Ich wusste das immer. Hunde begleiten uns nur einen Teil unseres Lebens. Das ist schrecklich und schön, Als würden sie ihr Leben mit so viel Liebe füllen wie möglich,

Ich schaue ihn an und ich weiß, wie kostbar dieser Moment ist. Wir Menschen vergessen das oft. Auch ich vergesse das oft Auch mit zwei geschenkten Leben, zwei lebenrettenden Operationen, zweimal fast gestorben, vergesse ich die Endlichkeit gerne. Nur Pino erinnert mich in jedem wunderbaren Moment daran, wie kostbar dieses Leben ist. Bitter-sweet. Aber das macht die Momente mit ihm so wertvoll.

Manches kann manchmal einfach warten

Egal wie laut mein Leben ist, wie laut die Arbeit ruft. Mein Hund erinnert mich daran, dass Beziehung wichtiger ist als Performance. Wenn er schläft arbeite ich ruhiger. Wenn er mich anbellt – das geht gar nicht, aber wenn ich merke, er braucht etwas, dann weiß. ich: die E-Mail läuft nicht weg – der gemeinsamer Moment schon. Ich arbeite ohnehin zu viel 😅

Im Moment sein

Am liebsten mag ich unsere Spaziergänge im Wald oder an der Wien. Seine Lebensfreude macht mir so viel Spass. Ich beobachte wie er schnüffelt, seine Umgebung wahr nimmt. Wie er manche Hunde ignoriert und dafür manchen Hausecken oder „besonderen“ Stellen besondere Aufmerksamkeit schenkt. Ich liebe es, wie er sich über Kleinigkeiten freut, wie er einfach da ist, wie er tänzelt wenn wir das Haus verlassen und ganz leichtfüßig dem Spaziergang entgegen läuft.

Das ist nicht immer so, denn wenn er nicht überzeugt ist wird er zu 12 Kilo Beton 🤣

Pausen brauchen keinen Grund

Pino lehrt mich, aber Tiere im allgemeinen lehren uns – zu schlafen wenn wir müde sind, zu spielen wenn es Zeit ist. Nirgendwo sonst erfahre ich Zeit als ein seltsames Konzept. Wir haben alle einen inneren Rhythmus, dem wir folgen könnten. Das ist, was ich mitnehme. Wir funktionieren sehr gut im Team, mein Hund und ich, denn es geht um Balance.

Arbeiten und ruhen, spüren wann Bewegung nötig ist und wann Ruhe dran ist. Leben ohne schlechtes Gewissen. Eine der wertvollsten Erkenntnisse für mich. Die Todo-Liste mir anpassen statt umgekehrt.

Bin ich schon da? Fast! 😅 Es wird, es wird.

Hier geht die Selfcare über die Verantwortung für ein Lebewesen, das mehr zurück gibt, als es jemals bekommen wird und es ok ist.

Geliebt werden, ohne etwas leisten zu müssen

Die schönste Sache der Welt ist es, sich bedingungslos geliebt zu fühlen. Einfach weil man man selbst ist – und mit Pino erlebe ich das tagtäglich. Egal wieviel ich leiste, wer ich bin, ob ich produktiv war oder – das das Gefühl habe nichts weiter gebracht zu haben.

Für Pino reicht, das ich da bin. Wenn ich ein paar Stunden weg war begrüßt er mich als wäre ich monatelang weg gewesen.  Kann man sich etwas schöneres vorstellen? 🥰

Lebe lieber leichter

So habe ich gestartet – und so hieß eine Serie die ich im November 2020 während Corona aufgenommen hab: Lebe lieber leichter November 2020

Wie du es immer nennen möchtest: Easy does it, keep it simple, nimm es leichter, wie willst du leben. Mein Hund erinnert mich an mein Lebensmotto, denn schwer nehmen will ich es nicht mehr. Pino ist einfach wie er ist. Oft nimmt er es wie es kommt, er schaut gut auf sich, genießt das Leben. Ist es irgendwo schön, rollt er sich in der Wiese – stinkt es irgendwo herrlich wälzt er sich darin – Carpe diem at it’s best. Wir sind auf Urlaub – er steigt ins Auto ein, steigt aus und nimmt es wie es kommt.

Muss er wohl könnte man sagen, aber man könnte auch staunen und sagen: schau mal was schön ist!

Er freut sich so herrlich über alle, liebt Eis genauso wie Würstl oder Käse. Er lässt sich vom Leben tragen und ich kann nicht sagen wie glücklich ich bin, dass ich ihm so ein Leben bieten kann.

Diese Woche haben wir ihm einen kleinen Pool gekauft und ein Frisbie – er liebt beides – auf seine Weise – und ich liebe ihn auf meine Weise.

Mein größter Lehrer auf vier Pfoten

Kurz könnte man sagen, Pino erinnert mich an die Endlichkeit und Leichtigkeit des Seins im gleichen Moment und ich staune immer wieder darüber wie eine Traurigkeit und ein Glücksgefühl so gleichzeitig so intensiv da sein können.

Ich war nie so ein Hundemensch, aber seitdem ich die Ehre habe eine Hundemamma zu sein, kann ich wohl nie wieder nicht einer sein.

Vielleicht liegt die Weisheit die wir für uns mitnehmen und lernen dürfen in diesen kleinen Momenten die einfach nur sind – in denen wir einfach nur leben und sind und alles andere kommt nachher.

Er erinnert mich an Liebe – jeden Tag