Die beste Version meiner selbst 

Überarbeitete Version

Eine Yoga-Kollegin, Stefanie Schönberger (Achtsam Yoga) hat im November 2018, als ich diesen Beitrag veröffentlicht habe, auf ihrem Instagram Profil einen Beitrag gepostet. Sie schreibt:

WERDE DIE BESTE VERSION DEINER SELBST. Wenn ich das lese oder höre, verdrehe ich inzwischen  zunehmend genervter die Augen. Ehrlich. Diese Aufforderung ist bei Yogaübenden, besonders den weiblichen, ja schwer beliebt. Aber habt ihr schon mal überlegt, was hinter dieser Visionsoptimierungen steckt? Die irrsinnige Annahme, nicht gut genug zu sein. Nicht perfekt zu sein, weil Fehler- und Mangelmodell. Also etwas, was uns seit Ewigkeiten, quasi seit der Vertreibung aus dem Paradies, eingetrichtert wird. Was für ein absurder mindf***k! Gerade die Yogaübenden unter uns sollten das wissen. Und bitte aufhören, die beste Version werden zu wollen. Für sie und alle anderen: Das sind wir doch schon!!! Alles, was wir tun müssen, um das zu erkennen ist: Endlich mal ruhig werden. Gedanken und Gefühlen eine Pause geben, Citta vritti nirodha. Yoga Sutra 1.2. was dann passiert? Entweder im Yoga Sutra weiterlesen. Oder mein Video dazu anschauen. Link in der Bio. Und nicht vergessen: Besser als du es schon bist, kannst du nicht werden. Du bist perfekt! Der Rest ist konditioniertes Denken.

Ich bin da nicht so hundertprozentig ihrer Meinung… und so war meine Antwort:

Also ich verstehe dieses Satz immer so, dass ich gut bin wie ich bin, aber immer die Möglichkeit habe, noch weiter über mich hinaus zu wachsen. Mich dem Leben in seiner ganzen Vielfalt zu überlassen, mich einlassen zu können auf das was da auf mich zukommt. Offen zu sein und auch zu bleiben, Achtsamkeit zu üben, denn dazu braucht es Selbstbeobachtung, aber eben auch Liebe und Verständnis und das was ist anzunehmen. Entwicklung hin zu dem, was ich bin. Und ich BIN ja immer die beste Version meiner selbst, die ich in diesem Moment sein kann…

Selbstverbesserungswahn oder entspannter Prozess der Selbstwerdung?

Meine beste Version

Ich muss sagen, dass mich diese Aussage und ihre Bedeutung immer wieder zum Nachdenken gebracht hat. Ich bin zwar immer wieder im Frieden mit mir, aber es gibt auch – so lieb ich mich habe – immer wieder Momente in denen ich eben nicht so bin, wie ich gerne wäre. Das sind Momente in denen ich zu wenig auf mich achte, übersehe, dass der Fluss des Lebens neben mir fließt und ich sinnbildlich daneben am Ufer im Boot sitze und auch noch versuche gegen den Strom zu rudern! Das sind Momente in denen ich neben mir stehe oder aus mir heraus gehe. In denen ich so weit weg bin von mir, wie ich gerne wäre und wie ich auch sein kann… und das sind eben die Momente in denen ich mir denke – ja, da gibt es noch Verbesserungspotential.

Wo ich Stefanie zustimme ist, dass es nicht darum geht in einem Optimierungswahn zu leben, so man sich nicht mehr auch mal fallen lassen kann, sich selbst gefallen kann, weich zu sich selbst sein darf, verständnisvoll und liebevoll. Natürlich geht es darum immer mehr bei sich anzukommen. Für mich stand das aber immer im Zusammenhang. Nach meiner Definition ist die beste Version meiner Selbst ist die, in der ich endlich bei mir angekommen bin. Wobei ich ja davon überzeugt bin, dass das Leben ein einziges Lernfeld ist und angekommen für mich bedeutet, dass ich meine Lehre in diesem Leben erfahren habe und endlich loslassen darf in dieser Welt.

Aber soweit bin ich nicht.

Zudem lebe ich im Moment noch nicht das Leben, dass ich gerne leben würde – ich habe noch Ziele und Wünsche, Pläne und Visionen – auch das gehört zu mir und ich arbeite daran diese umzusetzen – mit Ruhe, Geduld und Spucke, wie man so schön sagt! Auch das ist eine „Version“ meiner selbst. Die Version, die es in Zukunft von mir geben wird. Wenn ich mein Leben so in der Rückblende betrachte, dann sehe ich vieles, was ich jetzt anders mache. Ich möchte aber nicht anders gemacht haben – alles was ich je entschieden habe, hat mich in diesen Moment gebracht und ich liebe ihn!

Jetzt ist einfach perfekt! – War es immer

Trotzdem sehe ich da Veränderung, sehe ich, dass ich nicht mehr der Mensch bin, der ich einmal war -also eine andere Version. Ich freue mich aber auch wenn ich jetzt in die Vergangenheit blicke und sehe wie ich mich ent-wickelt habe! 🙂 (was für ein schönes Wortspiel) Ent-wickelt – aus-ge-wickelt – Schicht für Schicht, und jetzt bin ich da und natürlich will ich mich weiter ent-wickeln – und so immer mehr zu meinem Kern finden.

In diesem Prozesse werde ich eine immer bessere Version – besser? – naja – eine andere. Das bedeutet es für mich, wenn ich höre, denke und fühle: werde eine bessere Version deiner-selbst. Es geht ja nicht darum jemand anderer zu werden. Für mich geht es mehr darum mehr man selbst zu sein. Also mehr vom selbst, mehr von dem was innen drin ist.

Allerdings – losgelöst von einem Perfektionierungsgedanken. Perfektion ist Tod.

Losgelöst von Wettbewerbsgedanken und Druck. Kein Schimpfen, beleidigen, kränken von sich selbst. Keine Selbst-Geiselung oder Bestrafung wenn wir mal nicht so „funktionieren“ wie wir es gerne hätten. Es geht nicht darum mehr von etwas anderem zu sein. Für mich ist die „beste Version meiner selbst“ etwas, dass ein Ziel ist um weniger Selbstzweifel, mehr Selbstliebe, mehr Großzügigkeit und damit Freude und Liebe in meinem Leben zu haben.

Weniger Unzufriedenheit und Ungeduld

Die beste Version meiner selbst bin ich natürlich immer – in jedem Moment. Trotzdem bleibt Ent-Wicklung, weil nichts beständig ist.

Auch mein Ich nicht. Mein Selbst vielleicht schon, der innere Kern, die Seele. Vielleicht hieße es besser, die beste Version meines „Ich“? Das „ich“ ist ja jeden Tag anders, mein 17-jähriges Ich unterschied sich ganz, ganz, ganz viel von dem ich, dass ich heute bin. Ich bin sicher, dass ich niemals aufhören werde zu wollen eine „bessere“ Version von mir selbst sein zu wollen. Ich werde aber auch immer daran glaube, dass das was ich jetzt bin, also die „aktuelle“ Version niemals eine schlechte ist oder war. Nur auf einem festen Fundament kann ich bauen. Alles was ich jetzt bin ist die Summe dessen was ich aus meinen Erfahrungen gemacht habe. Der Gedanke sich weiter ent-wickeln zu wollen ist, wenn man ihn von diesem Standpunkt aus betrachtet, meine ich, positiv.

Man kann also wollen, die beste Version seiner selbst sein, wenn man erkennt, dass man schon da ist.

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Erstveröffentlicht am 12.November 2018
Überarbeitet am 4. November 2020