Selfcare im Mai: Zwischen Aufbruch, Überforderung und deinem eigenen Tempo

Alles neu macht der Mai, aber wollen wir das immer? Alles neu bedeutet viel Veränderung, und Veränderung bedeutet, dass unser Nervensystem sich nicht besonders freut. Deswegen können solche Zeiten der Transformation auch recht anstrengend sein.

Der Mai wird ja oft beschrieben als Zeit der Leichtigkeit, von Aufbruch, von Genuss. Die Sinne erwachen, draußen blüht alles, überall Knospen, überall Blüten. Es ist einfach schön, und wir dürfen das Leben in vollen Zügen genießen.

Und ich sitze da und merke: Das passt gerade überhaupt nicht zu dem, wie ich mich fühle.

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Dieser Mai fühlt sich nicht leicht an

Die aktuelle Zeit ist extrem anstrengend, und ich habe die letzten Wochen damit verbracht zu verstehen, was gerade mit mir passiert. Ich bin mitten in einem Transformationsprozess.

Wenn wir sagen, im März beginnen wir neue Wege zu gehen und im April bereiten wir uns vor, dann ist der Mai oft der Moment, wo es wirklich losgeht. Und wenn das Prozesse sind, die etwas in deinem Leben verändern, dann stehst du plötzlich da und denkst dir: Wie soll ich das schaffen?

Ich merke bei mir ganz stark, dass mein Nervensystem sofort reagiert. In dem Moment, wo ich eine Chance bekomme, etwas zu verändern, kommt gleichzeitig ein Teil in mir, der Sicherheit möchte. Der sagt: Bleib doch hier, das kennst du doch.. Auch wenn ich weiß, dass ich da schon längst rausgewachsen bin.

Selfcare im Mai heißt, mich selbst ernst zu nehmen

In dieser Zeit habe ich extrem viel über Selfcare nachgedacht. Vor allem, weil ich wirklich lange gebraucht habe, um jeden Tag in die Gänge zu kommen. Um wieder Zugriff auf meine Kraft zu haben und nicht nur aus der Reserve zu leben – und ich habe gemerkt: Selfcare bedeutet für mich gerade, mich selbst ernst zu nehmen.

Wirklich hinzuschauen und zu spüren, wann welche Impulse kommen und woher sie kommen. Auch zu erkennen, dass dieser Teil in mir, der sich Sicherheit wünscht, einfach Angst hat, Angst vor dem, was ich noch nicht kenne.

Transformation ist nicht schön – sie ist oft einfach „schirch“

Ich habe das Gefühl, wir haben ein sehr schönes Bild von Wachstum. Wir sehen die Blüte. Wir sehen den Schmetterling. Aber wir sehen nicht den Weg dorthin. Wenn ich an die Raupe denke, die sich im Kokon komplett zersetzt, damit daraus ein Schmetterling entstehen kann, dann ist das kein angenehmer Prozess. Da wird alles einmal aufgelöst.

Und genau so fühlt sich Transformation oft an. Du bist einfach Matsch.

Und gleichzeitig liest du überall: Genuss, Leichtigkeit, Aufblühen. Und du denkst dir: Wie soll das gehen?

Wächst Geduld mit den Bäumen?

Wenn ich mir den Jahreskreis anschaue, dann sind wir jetzt am Anfang. Es wird gesät. Es wird vorbereitet. Die Ernte kommt erst viel später. Und Geduld bedeutet für mich, zu erkennen, dass dieser Prozess Zeit braucht. Dass diese Transformationsphasen auch irgendwann zu Ende gehen werden. Und dass sie im besten Fall so enden, dass wir den Mut hatten, weiterzugehen.

Auch wenn es sich zwischendurch nicht gut anfühlt.

Deine inneren Jahreszeiten

Ich finde es so spannend, dass wir diese Jahreszeiten auch in uns tragen. Manchmal ist innen einfach Winter, auch wenn draußen alles blüht. Ich hatte in letzter Zeit genau so eine Phase. Rückzug. Ich wollte gar nicht rausgehen, zumindest nicht im Sinne von sichtbar sein. Ich wollte einfach bei mir sein.

Und das war wichtig.

Auch wenn ich merke, dass es mir schwerfällt, geduldig mit mir selbst zu sein. Ich kann viel Geduld haben, aber mit mir selbst ist das manchmal eine andere Geschichte.

Nicht zwingen, sondern wahrnehmen

Ich habe gemerkt, dass es nicht funktioniert, mich zu Dingen zu zwingen, für die ich noch nicht bereit bin, also mache ich es anders.

Ich gehe raus, ich tanke Sonne, ich schaue mir Blumen an. Ich setze mich hin und trinke meinen Kaffee bewusst, nicht nebenbei.  Und ich merke: Es passiert nichts Schlimmes, wenn ich mir diese Zeit nehme. Im Gegenteil.

Kleine Schritte reichen

Es geht nicht darum, alles auf einmal zu verändern. Es geht um den nächsten Schritt, manchmal ist dieser Schritt einfach, eine Pause zu machen. Das Handy wegzulegen, kurz still zu werden, damit das, was anstrengend ist, nicht nur erschöpft, sondern einen Raum bekommt. Einen Raum, in dem ich hinschauen kann.

Wir brauchen das Chaos

Ich habe vor kurzem meinen Kleiderschrank komplett ausgeräumt. Alles lag herum, es war ein komplettes Chaos. So fühlt sich Transformation an. Du räumst alles aus, du sortierst neu, du weißt noch nicht genau, wie es am Ende aussehen wird – Es braucht dieses Chaos, damit eine neue Ordnung entstehen kann.

Du bist nicht schneller, wenn du läufst

Ich habe begonnen, meine To-do-Liste zu reduzieren. Ein großes To-do pro Tag und ich merke: Es geht sich trotzdem alles aus. Wenn ich mir Zeit nehme, wenn ich langsamer gehe, wenn ich früher losgehe, dann entsteht weniger Stress und mehr Klarheit.

Du bist nicht schneller, wenn du läufst. Du kommst nur abgehetzt an.

Langsam ist das neue Sexy

Das sage ich schon länger, aber ich merke gerade, wie herausfordernd das wirklich ist – Langsam bedeutet bewusst. Wahrnehmen, was gerade da ist. – und das ist etwas, das man üben darf.

Selfcare ist kein To-do

Ich habe keine Lust mehr, mich zu stressen. Und ich habe keine Lust mehr, gemein zu mir zu sein – Selfcare ist für mich kein weiteres To-do. Kein Wettlauf. Kein „wie oft habe ich etwas gemacht“.

Selfcare ist ein Teil meines Lebens.

Es ist die Entscheidung, mich selbst ernst zu nehmen, auch an Tagen, an denen ich mich nicht gut fühle. Nicht nur, um mich wohlzufühlen. Sondern auch, um bei mir zu bleiben, wenn es sich nicht gut anfühlt.

5 Mai-Dinge für dich

  1. Selfcare machst du nicht nur, um dich gut zu fühlen, sondern vor allem, um dich ernst zu nehmen.
  2. Deine innere Jahreszeit darf anders sein als das, was draußen passiert.
  3. Transformation fühlt sich oft chaotisch an, und genau das gehört dazu.
  4. Du bist nicht schneller, wenn du läufst.
  5. Und manchmal reicht ein Moment, ein Atemzug, ein kurzes Innehalten.

Pocket Yoga – dein Raum für dich

Ich habe Pocket Yoga genau aus diesem Grund entwickelt. Nicht als Programm und nicht als weiteres To-do, sondern als Raum. Eine Erinnerung, dir Zeit für dich zu nehmen.

Wenn du nur den Impuls liest und einmal bewusst ein- und ausatmest, dann reicht das schon.

👉 https://www.rani-yoga.at/pocketyoga/

Nachtrag

Das Wort „schirch“, das ich verwende, ist ein österreichischer Ausdruck für etwas Unangenehmes, Unschönes, etwas, das sich einfach nicht gut anfühlt. Mehr dazu kannst du hier nachlesen: https://www.diepresse.com/6271203/wissen-sie-wie-man-schirch-richtig-schreibt

Wenn du beim Lesen gemerkt hast: ok… das fühle ich gerade auch

Dann bist du genau richtig. 🤍

Hier findest du das Transkript zum Podcast