Ein Buch voller Eselsohren
Manche Bücher lese ich einfach durch. Und dann gibt es Bücher wie Leben spielen von Proschat Madani. Wenn ich ein Buch rezensiere, dann sieht es meistens genau so aus: voller Eselsohren, mit markierten Stellen und Gedanken, die ich festhalten wollte. Für mich ist das immer ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass mich ein Buch nicht nur unterhalten, sondern wirklich berührt und beschäftigt hat.
Ich habe Leben spielen nicht in einem Zug gelesen. Am Anfang dachte ich noch, dass es ein nettes und kurzweiliges Buch sei. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass darin unglaublich viele philosophische Gedanken stecken. Immer wieder musste ich das Buch zur Seite legen, über einzelne Passagen nachdenken und sie ein wenig nachwirken lassen.
Viel mehr als ein Buch über Schauspiel
Auf der Rückseite des Buches steht, dass es sich anfühlt wie ein gelungener Abend mit guten Freunden – man lacht gemeinsam, weint gemeinsam und geht klüger, beschwingter und mit neuen Gedanken nach Hause. Genau dieses Gefühl hatte ich beim Lesen.
Wenn du jetzt glaubst, dass Leben spielen ein Buch über das Schauspielern ist, dann hast du nur teilweise recht. Gleichzeitig ist es nämlich viel mehr als das. Es ist ein Buch über das Leben und darüber, was wir vom Schauspiel für unser eigenes Leben lernen können. Genau diese Verbindung fand ich unglaublich spannend.
Proschat Madani beschreibt immer wieder, wie das Schauspiel ihr persönliches Leben verändert hat und wie umgekehrt ihre Lebenserfahrungen ihre Rollen prägen. Dadurch entstehen Gedanken, die weit über Theater oder Film hinausgehen und sich auf unser aller Leben übertragen lassen.
Gedanken, die mich begleitet haben
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Stelle, an der sie schreibt, dass die Figuren, die sie spielt, manchmal mutiger sind als sie selbst. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich verstanden, was sie damit meint.
Wenn wir eine Rolle spielen, hat das keine echten Konsequenzen. Im eigenen Leben ist das anders. Da braucht es oft viel mehr Mut, Entscheidungen zu treffen und mit ihren Folgen zu leben. Genau dieser Gedanke hat mich lange begleitet und ich glaube, dass sich viele von uns darin wiederfinden können.
Während des Lesens hatte ich außerdem immer mehr das Gefühl, Proschat Madani als Menschen kennenzulernen. Sie bewegt sich zwischen den Welten – zwischen den Figuren, die sie spielt, und ihrem eigenen Leben. Das hat mich daran erinnert, wie schnell wir glauben, Schauspielerinnen und Schauspieler zu kennen, obwohl wir in Wahrheit meist nur die Rollen kennen, die sie verkörpern.
Was das Buch mit meinem Leben zu tun hat
Faszinierend fand ich auch ihre Beschreibung, wie eine Figur entsteht. Wenn sie im Theater eine Rolle spielt, die am Ende stirbt, muss sie am Anfang trotzdem so spielen, als wüsste diese Figur noch nichts von ihrem Schicksal. Nur dadurch kann die Geschichte lebendig bleiben.
Beim Lesen habe ich immer wieder Parallelen zu meinen eigenen Themen entdeckt – zu Krisenfest, zu Selfcare und zu der Frage, wie wir mit unserem Leben umgehen. Das Buch hat mich eingeladen, über die Rollen nachzudenken, die ich selbst spiele, über die Geschichten, die ich mir erzähle, und darüber, wie oft wir unser Leben vielleicht viel zu ernst nehmen.
Meine Empfehlung und Fazit
Je länger ich über den Titel Leben spielen nachdenke, desto mehr Bedeutung bekommt er für mich. Vielleicht könnten wir unser Leben manchmal leichter leben, wenn wir wieder mehr spielen würden – nicht oberflächlich oder verantwortungslos, sondern mit mehr Freude, mehr Neugier und mehr Leichtigkeit, ohne dabei die Tiefe zu verlieren.
Genau das ist für mich die große Stärke dieses Buches. Es erzählt nicht nur Geschichten, sondern regt dazu an, die eigenen Gedanken weiterzudenken und den Blick auf das eigene Leben zu verändern. Leben spielen hat mich überrascht, inspiriert und immer wieder zum Nachdenken gebracht. Für mich ist es ein Buch, das man nicht einfach liest und anschließend ins Regal stellt. Es begleitet einen noch lange weiter – und genau deshalb empfehle ich es von Herzen.

