Yoga ist inzwischen überall. Kurse, Kleidung, Bilder, Werbung, Reisen, … Sprüche, Bücher, Workshops, … Zeitungen und Zeitschriften berichten darüber und trotzdem hab ich das Gefühl, dass nicht so ganz klar wird was Yoga eigentlich ist.

Das liegt nach meiner Meinung auch daran, dass Yoga viel ist, viel kann und sehr viel-fältig ist. Sowohl was die Yoga-Formen angeht, als auch was die Yoga-Inhalte betrifft.

Das Yoga das wir kennen, kommt einerseits aus Indien und seine Wurzeln lassen sich viele tausend Jahre zurück verfolgen, doch die Ausführungen und Ideen haben sich seitdem entwickelt. Der „moderne“ Mensch hat sich damit befasst, es verändert und an seine Bedürfnisse  angepasst.

Was ich immer wieder bemerkte ist, dass Yoga etwas sehr persönliches ist oder wird. Jede/r YogalehrerIn bringt etwas von seiner/ihrer persönlichen Geschichte mit, legt einen neuen, besonderen Fokus und gleich wird die Yogastunde zu etwas Neuem.

Mein Yogaweg

Als ich mit Yoga begonnen habe war ich an einem Punkt in meinem Leben, in dem ich weder wusste wer ich war noch was ich wollte. Ich habe nur gespürt, dass ich etwas ändern muss und dass mir Yoga gut tut. In der letzten Zeit habe ich durch mein Studium begonnen genauer zu Hinterfragen, was mir an Yoga genau gefällt und warum ich es in meinem täglichen Leben integriere.

Ich habe in acht Punkten zusammengefasst, was Yoga für mich ausmacht. Diese sind einerseits durch den Yoga zu mir gekommen. Sie könnten aber auch aus einer ganz anderen Ecke kommen. Allen ist gemeinsam, dass sie mir helfen und geholfen haben die Herausforderungen in meinem Leben zu meistern und durch sie stärker zu werden. Ich bin überzeugt, dass all diese Punkte für jeden Menschen hilfreich sein können.  Für mich machen sie den Kern meiner Yogapraxis aus, die gar nicht so sehr bedeutet, dass ich mich jeden Tag auf die Matte begebe. Yoga zu üben bedeutet für mich Yoga zu leben, jeden Tag neu zu beginnen und mich jeden Tag wieder der Herausforderung zu stellen mein Leben so zu leben, dass ich glücklich bin und in der Welt so wirke, dass es anderen Menschen hilft.

1. Der Yoga-Atem

Der Atem ist für uns, obwohl so essentiell, so selbstverständlich. Im Yoga wird der Atem wieder in der Vordergrund gerückt: „Wenn du nicht atmest, ist es kein Yoga“ sage ich gerne in meinem Unterricht.

Im Yoga habe ich gelernt, meinen Atem bewusst zu lenken, wahrzunehmen, ihn als Hinweisgeber auf meine aktuelle emotionale Situation zu nutzen und durch ihn aber auch Einfluss zu nehmen.  Nicht nur darauf, wie ich mich fühle, aber auch darauf wie anstrengend ich mir eine Situation selber mache – oder eben auch nicht.

Wenn ich atme finde ich immer wieder zurück zu mir.

2. Achtsamkeit / Aufmerksamkeit

Auf der Yogamatte habe ich gelernt, bewusster darauf zu achten was ist, und zwar über den Atem und über die Emotionen. Über das Üben und meine Reaktionen und Gedanken.

Was treibt mich an, was erschüttert mich? Was gib mir ein gutes Gefühl und was deprimiert mich und warum? Was ist gerade los, wo ist mein Körper im Raum?
Wo sind meine Gedanken? – bei mir, im Raum, wo auf der Welt?

Yoga lehrt mich zu sein, wo ich bin.

3. Selbstreflektion

Irgendwie hängen alle Punkte die ich aufgezählt habe zusammen, und sind doch verschieden voneinander.

Ich lerne über den Atem meine Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment zu richten und bin dann auf einmal allein mit meinen Gedanken – das kann ganz schön erschrecken! Wir denken ja nicht nur nette Dinge – weder über uns noch über andere! Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse, denke ich an Dinge, die ich noch erleben werde, und an Dinge die da noch kommen und dann öfter mal schlechte als gute…

Im Yoga hab ich gelernt zu beobachten was ich denke – seitdem kenne ich mich besser.
Das macht es nicht immer leichter, aber – ich mag diesen Weg! 🙂

4. Gesundheitsbewusstssein

Viele Menschen, die ich kenne beginnen erst etwas zu verändern, wenn ihnen etwas weh tut. Meistens erst dann wenn der Leidensdruck so groß wird, dass man ihn nicht mehr ignorieren kann. Das war bei mir nicht anders. Zuerst nimmt man den Yoga als Mittel dafür, dass es einem besser gehen möge – durch mehr Entspannung oder durch die Körperübungen.

Wenn man dann aber dabei ist merkt man, dass sich etwas verändert.

Man beginnt darüber nachzudenken was man wann isst, was man wann tut. Die Aufmerksamkeit auf der Matte überträgt sich irgendwie auf das Leben und indem man sich darüber klar wird was man den ganzen Tag tut, denkt, isst, wiederkäut … ist man auf einmal in diesem Zustand von Selbst-Erkenntnis und es wird einem bewusst wie sehr man selbst für seine geistige und körperliche Gesundheit verantwortlich ist – und zwar in einem guten Sinn!

Yoga hilft mir zu sehen, was ich besser machen kann.

5. Mysterium Körper

Was mich so fasziniert ist, dass jeder einen Körper hat, aber kaum jemand kennt sich damit aus.

Er trägt uns durch den ganzen Tag und wird nur beachtet, wenn „er“ mal nicht funktioniert. Viele Menschen denken gar nicht darüber nach, was ihr Körper eigentlich für sie leistet – vom Herzschlag und der Atmung mal abgesehen. Die Verdauung ist eine großartige Sache, wir wachsen und werden in jedem Augenblick neu durch Zelltod und -regeneration.  Auch die Zusammenhänge zwischen Bewegung und Muskulatur, Anspannung und Verspannung. Der Körper ist ein Netzwerk- Alles steht miteinander in Verbindung!

Yoga bringt uns dazu uns mehr damit auseinander zu setzen wie wir funktioniere. Wenn ich verstehe wie etwas funktioniert, kann ich, wenn es einmal hakt, viel besser da eingreifen, wo ich einen Ursprung feststellen werden kann.

 Yoga hilft mir dabei mich innen und außen besser kennen zu lernen.

6. Yoga Philosophie 

Ein ganz wesentlicher Teil  im Yoga ist für mich das philophische Gerüst. Die wesentlichen Fragen sind für mich:

  • Wer bin ich?
  • Wie will ich leben?
  • Was kann ich tun um die Welt zu einer zu machen, in der ich gerne lebe?

Die Sutren von Patanjali  sind ein Leitfaden für yogisches Verhalten und Entwicklung die nach wie vor sehr aktuell mögliche Lösungen für die natürlichen Schwächen der Menschen anbieten, wie sie auch nach 2000 Jahren noch aktuell sind wie z.B. Wie gehe ich mich negativen Gedanken um? Was kann ich tun um mich zu finden?

Diese Fragen beschäftigen mich seit dem ich ein Teenager war und immer wieder hebt sich ein Schleier und ich sehe wieder klarer… bis ich den nächsten Schleier bemerke.. bissl wie bei einer Zwiebel! 😀

Die Beschäftigung mit mir selbst hilft mir, Fragen des täglichen Lebens leichter zu beantworten.

7.Meditation

Das zur Ruhe kommen des Geistes ist etwas, dass uns nicht beigebracht wird und ich glaube persönlich, dass – egal von welcher Richtung wir kommen – das bewusste Erschaffen von Stille in und um uns eine riesige Ressource ist, von der wir nur profitieren können.

Ob das nun eine geführte Meditation ist, ein Entspannungstraining, eine buddhistische oder hinduistische Meditation, eine stille, sitzende oder eine aktive Meditation, ein Gebet, … tausend Möglichkeiten – eine Sache: zu sich kommen, still werden, zuhören, annehmen.

Die tägliche Meditation hilft mir dabei Kraft zu schöpfen und zu sehen, dass sich, besonders dann, wenn wir nichts tun, ein Gefühl des Glücks einstellen kann.

8. Körperübungen

Die Körperübungen, die viele als Yoga verstehen sind super! Aber sie sind für mich nicht Nummer eins. Bitte nicht falsch verstehen – ich übe, wenn möglich täglich und es wäre großartig wenn sich jeder Mensch jeden Tag etwas bewegen würde, damit der Körper so funktionieren kann, wie er funktionieren könnte, wenn wir ihn ebenso pflegen würden wie unsere Wohnungen / Autos / Häuser… etc.

Die Körperübungen sind für mich vor allem aber ein Übungsfeld dafür all die Punkte, die ich vorher aufgezählt habe zu praktizieren, zu üben, zu wiederholen.

Yoga auf die Matte zu bringen ist wie in ein Labor zu gehen,
um zu testen ob die eigenen Theorien funktionieren.

Das echte Yoga findet außerhalb der Matte statt.

…Leben Lernen

Das Wort „lernen“ bedeutet auf Sanskrit (alte Indische Sprache): das immer wiederkehrende Wiederholen.

Durch Wiederholung werden wir besser.

Auch wenn wir talentiert sind in etwas, ist es nötig diese Dinge zu üben.

und man kann alles üben!

Heute habe ich zum Beispiel das Gefühl geübt, Zeit zu haben!

Und was übst du so?