Diese Podcastfolge habe ich ursprünglich am 8. April 2025 veröffentlicht. Als ich sie für meine Sommer-Archivserie „Der eigene Weg“ wieder angehört habe, war ich selbst überrascht, denn ich habe darin etwas gehört, das mir damals noch nicht in dieser Klarheit bewusst war: In dieser Folge stecken ganz viele Wurzeln meiner heutigen Arbeit und meines Verständnisses von Selfcare. Der Kern der Podcastfolge ist geblieben, den ursprünglichen Blogbeitrag habe ich für die Neuveröffentlichung vollständig überarbeitet.

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Selfcare braucht keine To-do-Liste & wie du auf deine Art herausfindest, was du wirklich brauchst.

Selfcare ist wichtig. Das wissen wir mittlerweile vermutlich alle. Wir sollen Pausen machen, meditieren, uns bewegen, gesund essen, ausreichend schlafen, Grenzen setzen und natürlich gut auf uns achten. Und plötzlich haben wir neben all den Dingen, die wir ohnehin jeden Tag erledigen wollen und müssen, noch eine weitere Liste im Kopf, auf der steht, was wir alles für unsere Selfcare tun sollten.

Nur: Was, wenn Selfcare gar nicht bedeutet, noch mehr zu tun? Was, wenn Selfcare im Alltag vielmehr damit beginnt, dich zu fragen:

Wie will ich eigentlich leben?

Diese Frage begleitet mich schon sehr lange, auch wenn ich das früher nicht immer so klar benennen konnte. Ich möchte ein Leben führen, das ich liebe, eines, in dem meine Träume und meine Verantwortung genauso Platz haben wie Freude, Genuss, Ruhe, Neugier und die Freiheit, Dinge auch einmal anders zu machen. Für mich bedeutet Selfcare deshalb nicht, ein bestimmtes Programm abzuarbeiten, sondern meinen Alltag immer wieder so zu gestalten, dass er zu mir und zu meinem Leben passt.

Selfcare ist kein zusätzliches To-do

Wenn dir jemand sagt: „Du solltest dich mehr entspannen“, während du gerade tausend Dinge im Kopf hast, wirst du vermutlich nicht augenblicklich tiefenentspannt lächeln. Vielleicht verkrampfst du dich sogar noch ein bisschen mehr. Ähnlich geht es uns mit Selfcare, wenn sie zu einer weiteren Aufgabe wird, die wir richtig machen sollen: meditieren – erledigt, Yoga – erledigt, gesundes Essen – erledigt, Me-Time – verdammt, vergessen.

Ich glaube nicht, dass echte Selfcare so funktioniert. Für mich beginnt Selbstfürsorge dort, wo ich mich frage, was brauche ich eigentlich gerade und wie kann ich es mir geben? Und die Antwort darauf kann heute eine völlig andere sein als morgen.

Heute macht es möglicherweise Sinn, morgens zu kochen, weil der Nachmittag voll ist, und morgen verschiebe ich den langen Spaziergang auf den Abend, weil ich tagsüber diesen freien Block für konzentriertes Arbeiten brauche. Wenn mir die Ideen fehlen, bringt mir Bewegung oft mehr, als mich noch länger im Kreis zu drehen, und auch wenn Ratschläge von außen gut gemeint sind, sagt mir mein Körper meistens ziemlich klar, wann es Zeit ist, mich auszuruhen. Und manchmal ist das, worauf ich gerade wirklich Lust habe, in diesem Moment besser für mich als die vermeintlich „gesündere“ Variante.

Selfcare im Alltag braucht für mich deshalb vor allem eines: Flexibilität.

Was trägt dich, wenn dein Leben ins Wackeln gerät?

In Zeiten der Veränderung wird das besonders spürbar. Veränderung bedeutet ja auch fast immer, dass ein Teil unseres Lebens gerade nicht stabil ist. Etwas ist noch nicht entschieden, kann nicht geplant werden oder fühlt sich unsicher an, und genau dann versuchen wir oft besonders angestrengt, Kontrolle zu behalten und alles richtig zu machen.

Im Yoga begegnet mir dieses Gefühl immer wieder in Balanceübungen. Sobald ich ankündige, dass wir auf einem Bein stehen werden, sehe ich manchmal schon die ersten skeptischen Gesichter. Dabei sind genau diese Übungen für mich unglaublich spannend, denn die Yogamatte ist mein Labor fürs Leben.

Was passiert, wenn ich wackle? Schaue ich sofort zu den anderen, um zu überprüfen, ob sie es besser machen? Glaube ich, ihre Übung anschauen zu müssen, damit ich meine eigene richtig machen kann? Ärgere ich mich, wenn ich das Gleichgewicht verliere, oder stelle ich meinen Fuß einfach wieder hin und probiere es noch einmal?

Und während ein Bein vielleicht durch die Luft wandert und nach Balance sucht, gibt es da noch das andere: das Bein, das auf dem Boden steht.

Das ist für mich zu einem starken Bild geworden. Gerade wenn etwas in meinem Leben unsicher ist, kann ich mich nur auf das konzentrieren, was gerade wackelt – oder ich kann mich auch fragen: Was ist da? Was funktioniert? Was trägt mich gerade?

Es muss nicht alles funktionieren, damit du dir vertrauen kannst

Diese Erkenntnis hat für mich noch eine viel tiefere Bedeutung. Während meiner Wartezeit auf eine neue Lunge 2018 war mein Körper schwer krank und meine Lunge funktionierte nur noch zu einem sehr kleinen Teil. Natürlich hätte ich meinen Blick ausschließlich darauf richten können, was alles nicht mehr ging, denn davon gab es mehr als genug.

Und irgendwann hatte ich einen Gedanken, der für mich vieles verändert hat: Meine Lunge funktionierte vielleicht nicht mehr gut – aber sie hat funktioniert.

Sie atmete jeden einzelnen Tag für mich, mein Herz schlug, meine Nieren haben gearbeitet, meine Haut, meine Muskeln und so vieles in meinem Körper funktionierte weiter. Mein Körper war schwer krank und gleichzeitig trug er mich jeden Tag weiter.

Ich konnte mich auf meinen Körper – trotz allem – verlassen.

Das ist für mich eine Form von Selfcare, über die wir viel zu selten sprechen: nicht ständig zu versuchen, alles an uns und unserem Leben zu verbessern, sondern auch wahrzunehmen, was bereits da ist und was uns trägt. Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten schönzureden oder Veränderungen nicht anzugehen. Es bedeutet für mich, meinen Blick zu weiten, damit das, was gerade schwierig ist, nicht meine gesamte Wirklichkeit wird.

Du musst Selfcare nicht „richtig“ machen

Ich bin sicher, dass das eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, die ich über Selfcare gewonnen habe: Es gibt nicht die eine richtige Lösung.

Es gibt diesen Moment und eine Lösung, die jetzt für dich gut sein kann. Morgen kann sie schon wieder anders aussehen. Du darfst ausprobieren, deine Meinung ändern, umplanen, lachen, umfallen und wieder aufstehen. Du darfst deinen Coffee to go einmal nicht „to go“ trinken, sondern fünf Minuten stehen bleiben und ihn genießen, während um dich herum alle anderen weiterlaufen.

Selfcare muss nicht immer groß sein. Sie muss auch nicht immer vernünftig aussehen und schon gar nicht instagram-tauglich sein. Sie darf so individuell sein wie du und dein Leben.

Die interessantere Frage ist für mich deshalb nicht: Mache ich genug Selfcare? Sondern: 

Wie will ich leben? Wer will ich sein? Was brauche ich gerade?

🎧 Krisenfest – Podcast – Der eigene Weg zur Selfcare

Beim Wiederhören dieser Folge habe ich erkannt, wie viele Wurzeln meiner heutigen Arbeit darin bereits zu hören sind. Mein Verständnis von Selfcare hat sich seither weiterentwickelt, der Kern ist geblieben: Es geht nicht darum, alles richtig zu machen.

Es geht darum, immer wieder einen Schritt für dich loszugehen, anzupassen, auszuprobieren, Fehler zu machen und beim nächsten Mal eine andere Entscheidung zu treffen – auch nicht darum, alles richtig zu machen.

Wichtig ist, immer wieder einen Schritt für dich loszugehen, anzupassen, auszuprobieren, Fehler zu machen und beim nächsten Mal vielleicht eine andere Entscheidung zu treffen.

Und am Ende der Folge stelle ich dir eine Frage, die ich heute mindestens genauso wichtig finde wie damals:

Stell dir vor, du bist jemand, der dich abgöttisch liebt. Wie würde dieser jemand wollen, dass du deine Tage verbringst?

Nimm dir nach der Folge ein paar Minuten Zeit und schau, welche Antwort in dir auftaucht.

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Du spürst, dass etwas anders werden darf, weißt aber noch nicht genau, was dein nächster Schritt ist?

Gerade dann suchen wir Antworten schnell im Außen und vergessen dabei die wichtigste Frage: Was brauche ich eigentlich gerade?

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Du musst nicht gleich dein ganzes Leben verändern oder die perfekte Lösung finden. Es reicht, deinen nächsten Schritt zu erkennen.

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