Ich schreibe zuerst für mich, um Erlebtes zu verarbeiten, und dann schreibe ich, damit andere sich davon etwas mitnehmen können.
Als ich 2021 mein Buch veröffentlicht hatte, ging ein Traum in Erfüllung. Ich war damals im dritten Jahr nach meiner zweiten Lungentransplantation und ich wollte schon bei der ersten unbedingt ein Buch schreiben. Ich wollte erzählen, was mir so passiert ist.
Ich schreibe um zu verarbeiten. Lange habe ich vor allem für mich geschrieben, aber es war mir schon immer wichtig, dass das, was ich geschrieben habe, auch jemand liest. Deshalb habe ich früher meine Freundin angerufen, um ihr vorzulesen, was ich geschrieben hatte. Deshalb habe ich damals meinen Blog begonnen und deshalb habe ich vor meiner ersten Transplantation auch mit der PH Austria ihren Newsletter gestartet, der heute ein hochwertiges Magazin ist.
Wie mein Buch entstanden ist
Ich weiß heute gar nicht mehr genau, wie ich darauf gekommen bin, aber ich hatte die Idee, aus den Blogartikel, die ich in der Wartezeit auf eine neue Lunge geschrieben hatte, ein Buch zu machen. Ich denke ich war inspiriert von Büchern, die damals erschienen sind.
Ich wollte mehr Menschen erreichen. Und ein Buch geschrieben zu haben – das war schon etwas. Ich habe mir die Beiträge angesehen und mir überlegt, in welcher Reihenfolge sie erscheinen sollten, und habe daraus ein Skript gemacht.
Aber wie veröffentlicht man ein Buch?
Ich habe begonnen, Verlage anzuschreiben, ob sie überhaupt Interesse haben. Von manchen kam gar keine Antwort, bei anderen habe ich nicht ins Verlagskonzept gepasst. Und dann kam ein Angebot vom Vindobona Verlag. Sie waren interessiert und ich war so glücklich und auch ein wenig naiv….
Der zweite Schritt war zu überlegen, woher ich das Geld bekomme, um die Gebühren zu bezahlen. Ich dachte an Sponsoring, bin aber auch hier an Grenzen gestoßen.
Ich habe Gerry Fischer, den Obmann des Vereins um Hilfe gefragt, wen ich um Unterstützung oder Sponsoring bitten könnte. Aber als ich ihm von der Idee erzähl habe, hat er hat spontan entschieden, dass er mir helfen kann! Ich hatte so eine Freude und bin sehr dankbar, dass alles so gut geklappt hat. Deshalb gibt es in meinem Buch am Ende auch eine Vorstellung des Vereins, und als Dankeschön habe ich von den ersten Verkäufen auch etwas gespendet.
Was mich dazu gebracht hat zu schreiben
Wenn ich etwas denke, dann muss ich es schreiben. Oft entsteht in mir ein richtiger Drang und das wird dann ein Sog. Ich sitze dann und schreibe und schreibe.. und am Ende ist es richtig befreiend.
Aber ich schreibe es nicht nur für mich. Wenn ich etwas schreibe, dann schreibe ich es, damit es gelesen wird, damit es hilft. Ich will damit inspirieren, ich möchte gern, dass sich die Leserin selbst finden kann. Es wäre wunderbar, wenn es das Leben von anderen ein bisschen leichter machen könnte.
Ich schreibe, weil ich das Gefühl habe, etwas verstanden zu haben und möchte das gern teilen. Was macht es denn sonst für einen Sinn so viel Unangenehmes zu erleben? Wenn ich eine Erkenntnis habe oder durch meine Gedanken etwas verstehe, wenn ich eine Erleichterung verspüre und mir das Leben sogar noch mit 15% Sauerstoff total lebenswert erscheinen kann, dann will ich das teilen! Ich möchte, dass jemand anderer davon profitiert und sich mitreißen lässt mit dem guten Gefühl.
Ich schreibe über meine überwundenen Ängste, damit ein anderer weniger Angst haben muss. Was ich schreibe, ist ungefiltert und so sind auch die Blogartikel entstanden. Momente, in denen ich verstanden habe, dass vieles in mir heil ist, auch wenn ich krank bin und auf eine Lungentransplantation warte.
Warum ich es heute nicht anders machen würde – und trotzdem anders machen werde
So glücklich ich heute bin, dass mein Buch bald fünf Jahre alt ist, so klar sehe ich auch: Ich würde dieses Buch nicht anders machen. So sind auch die Blogartikel entstanden. Momente in denen ich verstanden habe, dass vieles in mir Heil ist, auch wenn ich krank bin und auf eine Lungentransplantation warte.
Und gleichzeitig weiß ich: Ein nächstes Buch würde ich anders machen. Damals habe ich mich überfordert. 2021 habe ich an meinem Buch gearbeitet, habe für das Projekt „Wir sind Krisenfest“ 33 Frauen interviewt und eine Website für das Projekt gebaut um im April 2021 mit dem was heute mein Podcast ist in die Welt zu gehen. und ich wollte mein Studium unbedingt weiterführen… Das war einfach zu viel! Da geht so viel verloren, vor allem Achtsamkeit und das Genießen des Prozesses.
Ein Buch braucht: Ruhe. Ich würde mir mehr Zeit nehmen. Ich würde ein Buch noch einmal lesen und noch einmal. Ich würde mich stärker fragen: Was braucht die Leserin wirklich?
Ich schreibe heute anders, ein wenig bedächtiger, klarer und langsamer 😅
Wenn ich wieder ein Buch schreibe
Heute würde ich mir viel klarer überlegen, für wen ich dieses Buch schreibe und die Leserin stärker im Blick haben und mich fragen, was sie wirklich braucht. Ich würde Reflexionsfragen einbauen, um nicht nur meine Geschichte zu erzählen, sondern auch einen Raum zu öffnen, in dem die Leserin sich selbst begegnen kann und ich würde das Buch vermutlich selbst publizieren und den Prozess bewusster gestalten.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ich würde mir mehr Unterstützung beim Inhalt holen. Nicht, weil mein Buch nicht gut ist, sondern weil ich heute weiß, wie wertvoll es ist, Gedanken gemeinsam zu schärfen, zu strukturieren und zu vertiefen.
Und trotzdem: Warum es wichtig war
Im Rückblick erkenne ich: Es war gut, weil es ist. Viele Menschen haben mir gesagt, dass mein Buch Hoffnung gibt und ein gutes Gefühl hinterlässt und genau das wollte ich! Viele Betroffene haben sich dadurch weniger allein gefühlt und ich sehe heute auch: Meine eigenen Gedanken von „nicht gut genug“ haben mir oft die Freude daran genommen.
Ich habe ein Buch geschrieben. Es ist in der Welt. Und es berührt Menschen.
Das war mir wichtig. Und ich habe es geschafft.
Für wen dieses Buch heute ist
Ich habe dieses Buch für Menschen geschrieben, die in schwierigen Situationen sind. Menschen, die mit Krankheit, Angst oder Unsicherheit konfrontiert sind. Vor allem in Situationen, wo eine neue Diagnose im Raum steht und man sich denkt: Warum ich? Wie geht es weiter und was bleibt von mir, wenn vieles nicht mehr möglich ist.
Das Buch kann helfen, wenn das Krankenhaus zum neuen Aufenthaltsort wird und die Zeit mit Wartezeiten auf Ergebnisse und Befunde zur Qual werden kann. Ich denke, es kann auch für Menschen eine Hilfe sein, die mit Zweifeln, Überforderung oder mit der Angst leben, nicht genug zu sein.
Wenn eine Krankheit unsichtbar ist, ist das eine Belastung, die man sich nicht vorstellen kann. Ängste sind, wenn man sie größer werden lässt als man selbst, eine unglaubliche Qual, doch Ängste sind nicht per se schlecht. Ich denke, man kann über den Umgang mit ihnen in meinem Buch viel mitnehmen.
Das Buch ist für Menschen, die das Gefühl haben, es geht ihnen die Luft aus. Denn ich schreibe darüber, wie man auch in solchen Situationen Raum zum Atmen bekommt.
Meine Einladung
Wenn das alles etwas in dir bewegt, schau gern in mein Buch hinein. Auf meiner Website stelle ich es vor. Dort gibt es eine Lesung und Einblicke in einzelne Kapitel. Du kannst es auch direkt bei mir bestellen, ich versende jedes Buch mit einer persönlichen Widmung.
Am Ende
Ich bin gerade sehr dankbar, dass ich der Einladung von Stefanie K. Braun gefolgt bin und diesen Beitrag im Rahmen ihrer Blogparade „Ich schreibe ein Buch, weil…“ geschrieben habe.
Wenn du neugierig bist, kannst du dir hier auch die anderen Beiträge ansehen:
https://www.kleiner-komet.de/ich-schreibe-ein-buch-weil-blogparade/
Ich sehe, wie viel ich heute anders mache. Und gleichzeitig, wie wertvoll das ist, was damals entstanden ist.
Ich habe ein Buch geschrieben. Und es darf in der Welt sein.
Lunge bewegt
Aus meiner eigenen Geschichte ist später auch mein Projekt Lunge bewegt entstanden. Es ist ein Raum, in dem ich genau das weitergebe, was mich damals getragen hat: Information, Motivation und die Erinnerung daran, dass Bewegung möglich ist – in deinem Tempo.
Ich habe mit Expertinnen und Experten gesprochen, Interviews geführt und Impulse gesammelt, die zeigen: Auch mit Krankheit, auch mit Einschränkung ist es möglich, in Bewegung zu bleiben und Lebensqualität zu stärken. Für mich ist das eine Fortsetzung von dem, was auch mein Buch begonnen hat.
Nicht stehen bleiben, nicht aufgeben, sondern Schritt für Schritt weitergehen.
Wenn du tiefer eintauchen möchtest, findest du dort viele Gespräche, Erfahrungen und ganz praktische Zugänge, die dich auf deinem eigenen Weg begleiten können.

