Selfcare, Bewegung und Leben nach der Transplantation

Im Rahmen des Podcasthon habe ich mit Irene Mareiner gesprochen. Sie ist seit ihrer Kindheit herztransplantiert und engagiert sich beim Verein der Herz- und Lungentransplantierten Österreichs.
Mehr zum Podcasthon findest du hier: https://podcasthon.org/de
Und hier geht es zum Verein: https://www.hlutx.at/

Dieses Gespräch ist eines von drei Interviews, die ich in dieser Woche veröffentlicht habe, um mehr Bewusstsein für chronische Erkrankungen, Transplantation und Selbsthilfe zu schaffen.

Was der Verein für Herz- und Lungentransplantation Österreich macht

Der Verein der Herz- und Lungentransplantierten Österreichs ist eine Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Menschen, die vor einer Transplantation stehen.

Ein ganz wichtiger Punkt ist Zeit. Zeit, die im medizinischen System oft fehlt. Wenn sich jemand meldet, wird geschaut, wer gut zusammenpasst. Vielleicht jemand mit ähnlichem Alter. Vielleicht jemand mit dem gleichen transplantierten Organ. Vielleicht jemand mit einer ähnlichen Geschichte. Dann wird gesprochen, und zwar so lange, wie es braucht.

Es geht nicht nur um medizinische Fragen. Es geht um Alltag. Um Unsicherheit. Um ganz konkrete Dinge wie Arztwahl, Führerschein, Schwangerschaft oder sozialrechtliche Themen. Wenn der Verein etwas nicht beantworten kann, weiß er meistens, wo man nachfragen kann.

Junge Transplantierte und unterschiedliche Lebensrealitäten

Ein wichtiger Teil im Gespräch war die Gruppe der sogenannten jungen Transplantierten. Dabei geht es nicht nur um das Alter. Es geht darum, an welchem Punkt im Leben jemand transplantiert wird. Ob jemand mit 20 oder mit 60 transplantiert wird, macht einen großen Unterschied. Mit 20 stehen oft Themen im Raum, die bei älteren Menschen schon geklärt sind.

Beruf. Familie. Kinderwunsch, die Frage, wie das eigene Leben überhaupt weitergeht. Auch Menschen, die schon länger transplantiert sind, können in diese Gruppe fallen, wenn sie noch mitten im Aufbau ihres Lebens stehen.

Warum Austausch so wichtig ist

Viele Fragen stellt man im Krankenhaus nicht.

Man vergisst sie, oder es ist unangenehm, oder es ist einfach keine Zeit da. Im Verein entstehen Antworten oft nebenbei. Bei einem Treffen, einem Gespräch, bei einer Wanderung. Jemand sagt etwas und plötzlich merkt man, dass genau das die Frage war, die man eigentlich stellen wollte.

Das passiert nicht geplant, es ergibt sich. Und genau darin liegt ein großer Wert.

Bewegung nach der Transplantation

Ein zentrales Thema im Gespräch war Bewegung. Aus medizinischer Sicht ist Bewegung extrem wichtig. Sie unterstützt die Heilung, stärkt den Körper und wirkt sich positiv auf das Langzeitüberleben aus.

Gleichzeitig gibt es oft zwei sehr unterschiedliche Botschaften. Vom medizinischen System kommt der Impuls, sich zu bewegen.
Von außen kommt oft Vorsicht. Langsam. Schon dich, viele Menschen stehen genau dazwischen. Deshalb ist es wichtig, wieder zu lernen, auf sich selbst zu hören.

  • Was kann ich.
  • Was kann ich nicht.
  • Und was traue ich mir zu.

Bewegung muss nicht Leistung sein und Bewegung darf im eigenen Tempo passieren. (sh StufenChallenge)

Manchmal bedeutet es, einen Spaziergang zu machen, manchmal bedeutet es, überhaupt wieder aufzustehen. Beides ist wertvoll.

Selfcare nach einer Transplantation

Selfcare war für mich ein ganz zentraler Teil dieses Gesprächs.  ach einer Transplantation verändert sich viel.
Der Körper verändert sich, die Wahrnehmung verändert sich, die Bedürfnisse verändern sich. Selfcare bedeutet, sich selbst neu kennenzulernen, es bedeutet, ehrlich zu sein und es gibt Tage, da braucht der Körper Ruhe, und Tage, da braucht es Bewegung.

Es gibt Menschen, die einem guttun und es gibt Menschen, die Energie kosten.

Selfcare bedeutet auch, Grenzen zu setzen und manchmal bedeutet es, Nein zu sagen. Ohne Erklärung. Einfach Nein.

Höchstleistung ist individuell

Ein sehr schöner Teil im Gespräch war die Frage, was eigentlich Höchstleistung ist. Für manche ist es ein Marathon.
Für andere ist es ein Tag, an dem sie aufstehen, sich versorgen und ihren Alltag bewältigen. Beides kann eine Höchstleistung sein.

Es hängt davon ab, wie es einem geht, und wo man gerade steht. Gerade nach einer Transplantation sind diese Unterschiede besonders spürbar.

Was sich viele wünschen würden

Ein Thema war auch, was im System noch fehlt: Zum Beispiel eine klare Anlaufstelle für junge Transplantierte.
Ein Ort, an dem verschiedene Bereiche zusammenkommen.

Medizinisch, psychologisch, sozialrechtlich. Viele Fragen betreffen genau diese Schnittstellen. Auch eine bessere Übersicht über Ärztinnen und Ärzte, die Erfahrung mit Transplantierten haben, wäre hilfreich.

Selbsthilfe, Verbindung und Alltag

Der Verein lebt davon, dass Menschen sich einbringen, alle arbeiten ehrenamtlich und jeder gibt das, was er oder sie kann. Je mehr Menschen dabei sind, desto leichter wird es für alle.

Und es geht nicht nur um Information, es geht um Verbindung.

Darum, nicht allein zu sein, darum, gesehen zu werden.

Zum Abschluss

Dieses Gespräch zeigt sehr deutlich, dass es nach einer Transplantation nicht einfach „wieder gut“ ist. Es beginnt ein neuer Abschnitt mit neuen Fragen und mit neuen Möglichkeiten. Es ist eine Einladung, das eigene Leben bewusst zu gestalten.

Wenn du mehr erfahren möchtest oder selbst betroffen bist, findest du hier den Verein der Herz- und Lungentransplantierten Österreichs: https://www.hlutx.at/

Und wenn du dich für den Podcasthon interessierst, kannst du hier nachlesen: https://podcasthon.org/de

Ich hoffe, du konntest dir etwas mitnehmen, auch dann, wenn du nicht direkt betroffen bist. Dieses Gespräch öffnet den Blick.

Verbindung zu meinem Projekt Lunge bewegt

Dieses Gespräch ist für mich nicht losgelöst von meiner eigenen Arbeit entstanden. Mit meinem Projekt https://www.rani-yoga.at/lungebewegt/ beschäftige ich mich seit Jahren genau mit diesen Themen. Bewegung, Atmung, Selbstfürsorge und Leben mit einer chronischen Erkrankung oder nach Transplantation. Ich habe den Verein der Herz- und Lungentransplantierten Österreich bereits 2022 im Rahmen von Lunge bewegt interviewt. Dieses Gespräch ist also eine Fortsetzung, ein Weitergehen.

Für mich ist das kein Zufall. Es zeigt, wie wichtig genau diese Verbindung ist. Zwischen medizinischem Wissen, persönlicher Erfahrung und dem Alltag. Lunge bewegt ist genau dort angesiedelt. Im Alltag, im Körper, im echten Leben.

Und das Gespräch mit Irene ergänzt genau das.

Hier kannst du den Podcast hören

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Irene Mareiner in den Salzburger Nachrichten

Was ich besonders schön finde ist, dass Irene aktuell auch medial sichtbar ist. Hier kannst du einen aktuellen Artikel über sie lesen:
https://www.sn.at/leben/gesundheit/ein-zu-grosses-herz-irenes-leben-nach-der-transplantation-art-640186
Sie wurde bereits als Kleinkind transplantiert und engagiert sich heute aktiv für andere Betroffene.
Für mich zeigt das noch einmal mehr, wie wichtig es ist, diese Geschichten zu erzählen.
Und wie viel Kraft darin liegt.

Lunge bewegt Interview #19 mit dem Ö. Verband der Herz und Lungentransplantierten