Also grundsätzlich bin ich davon ausgegangen, dass jetzt alles „rund“ laufen wird.. tja – ist es nicht. Aber ich hätte es mir denken können, denn das Leben ruckelt eben, wenn wieder eine neue Gelegenheit sich auftut, mehr über sich selbst zu lernen und vor allem, zu lernen was nötig ist um alle weiteren Herausforderungen zu meistern.

Es ist nichts „schlimmes“ aber bei der letzten Lungenfunktion waren die kleinen Atemwege leider irgendwie weg. Ein kleiner Rückschlag, aber der hat wieder einiges ausgelöst – vor allem hat er wieder einmal eine kleine Kurskorrektur bewirkt UND ich war mal wieder mit meiner Freundin, der Angst konfrontiert. Aus diesem Grund schreibe ich heute darüber, wie es sein kann, dass ich meine Angst so gerne mag…

Hysterie ist keine Lösung

Als ich im Krankenhaus die schlechte Nachricht bekommen habe, war ich eigentlich ganz gefasst. Solange die Ärzte nicht hysterisch werden, brauche ich es auch nicht zu tun. Da bei der Bronchoskopie keinerlei Abstoßung in der Lunge gefunden worden ist. Ich habe keine Entzündungswerte in meinem Blut, und auch sonst hat alles „gut“ ausgesehen.Ich dachte sofort daran, dass ich vermutlich einen Infekt gehabt habe (ich hatte mich in der Woche zuvor schwach gefühlt, was sich aber wieder gebessert hatte).

Der Arzt meinte, wir sollten gleich „schießen“  und hat mir eine mittelstarke Cortison-Kur verschrieben. 2x intravenös, dann in Tablettenform. Cortison ist ja eine Standardmedikation, ich hatte auf eine Reduzierung gehofft – nun ja – verzehnfachen wollte ich sie allerdings nicht.. 😉

Ich blieb gelassen und mein leicht sarkastischer Humor verlässt mich ohnehin in kaum einer Situation. Ich fühle mich im AKH sehr gut aufgehoben und habe Vertrauen in meine Ärzte.

Im Anschluss bin ich nach Hause gefahren und hab mich mal ausgeruht. Den Eingriff, die Aufregung und die Cortison-Infusion haben mich schon ermüdet.

Ich habe den Fernseher aufgedreht und damit gerechnet mal ein wenig müde und depressiv etwas zu Essen zu bestellen und da liegen zu bleiben.

Ging nicht.

Panik & ganz großes Kopfkino und wie ich versuche entspannt zu bleiben 

Während ich auf der Couch gelegen bin, gingen mir seltsame Dinge durch den Kopf. Ich habe auf einmal ganz eigenartige Dinge in meinem Körper und meiner Lunge gespürt. Ich habe ja schon erlebt, wie meine Angst es geschafft hat meinen Kopf und Körper davon zu überzeugen, dass ich krank bin, Fieber habe, mein Herz rast, …

Mich hineinsteigern, das kann ich kann sehr gut!

Aber es geht auch in die andere Richtung!

Draußen schien die Sonne, und ich habe beschlossen, mich um mich selbst zu kümmern!

Dass ich in der Früh vorsorglich eine Suppe aufgetaut hatte, hat wohl auch geholfen!  #selfcare

Jedenfalls hab ich mir ein Blech Gemüse geschnitten, Kartoffeln gekocht und das ganze ins Rohr geschoben – wenig Aufwand, große Wirkung.

Wenn wir uns um uns selbst kümmern können, dann sollten wir es auch tun und nicht warten, bis die Welt zu uns hinschaut!

In der Zeit, in der das Gemüse auch ohne mich im Ofen fertig wird, habe ich mich dafür entschieden, einen Spaziergang zu machen.

Nachdem ich die Zeituhr am Ofen eingeschalten habe, ging ich ganz langsam und entspannt hinaus und habe daraus eine Meditation gemacht. Ich habe bewusst meine Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie meine Füße den Boden berühren, was um mich herum ist, wie ich atme und was ich spüre.

Und auf einmal war sie da.

Die Angst dein Freund und Helfer

Die Angst.

Was ist wenn.. du kennst das sicher, was ist wenn das passiert, was ist wenn es nicht wieder besser wird, was, wenn..

Tausend Gedanken, tausend Ängste – kein Grund.

Mein erster Gedanke war: schick sie weg!

Dann: Du kannst sie besiegen! Du bist stärker, als deine Angst!

Aber –  Wir sind unsere Angst – zumindest insofern, als dass unsere Angst ein Teil von uns ist.

Etwas in uns, dass gelernt hat, wie böse die Welt sein kann und uns beschützen will indem wir Schlachtpläne und Strategien überlegen, uns vorbereiten, uns wappnen, ..

Und das ist großartig! – Wenn wir in einer realen Situation sind.

Die Situation war aber, dass ich mich bereits ein paar Tage zuvor besser gefühlt hatte, dass ich gespürt habe, dass ich gerade das Richtige tue! Meine aktuellen Bedürfnisse zu befriedigen: Ruhe, Nahrung, Selbstfürsorge.

Die Angst umarmen

Letztes Jahr habe ich in einem Coaching gelernt, mir meine Angst vorzustellen und sie zu umarmen. Die Angst ist, wenn ich sie genau anschaue, ein kleines, eingeschüchtertes Wesen in mir, dass nur so riesig wirkt, wenn ich mich wegdrehe und nur die Auswirkungen wahrnehme. So, also würde sie an die Tür hämmern und solange ich nicht aufmache, nicht sehen kann, wie klein und angstvoll sie eigentlich ist…

Wenn ich die Angst ansehe, wenn ich sie mir als Freundin vorstelle, dann fühle ich mich irgendwie vollständig.

Wenn ich diesen Teil in mir nicht wegschicke, dann habe ich viel mehr Kraft. Ich bin dann vollständiger, mit all meinen An-Teilen.

Ich schaue mir die Angst an und natürlich! Ich will leben, ich mache Pläne, ich will Zukunft!

.. aber am sichersten ist es, mich hier in der Gegenwart darum zu kümmern was ich gerade machen kann.

Ich habe mich so befreit gefühlt!

Ja, es ist ein Balance-Akt!

Ja, ich muss noch besser aufpassen.

Nein, ich kann (noch?) nicht darauf los stürmen, aber ja, ich kann kleine, ruhige Schritte machen. Ich kann so leben, wie es mir jetzt gerade möglich ist. Ich kann Möglichkeiten sehen und das alles meiner Angst zeigen!

Ich bin unendlich dankbar für alles, was ich lernen darf.

Auch wenn es schwierig ist – ich möchte kein anderes Leben!

Wenn ich zurück denke, sehe ich soviel positives und Schönes und wundere mich manchmal wie wenig ich mich an Schmerz und Leid erinnere, vor allem, weil bei all dem auch so viel Schönes war.

Gedanken zum Abschluss

Es geht nicht darum sich zum positiv Denken  zu zwingen und alles gut zu heißen.

Es geht darum den Blick darauf zu lenken, was trotz allem gut ist.  Auf das was möglich ist!

Es geht darum, alle Teile, alle Emotionen anzusehen und als Teil von uns zu akzeptieren.

Kein Schatten ohne Licht, kein Licht ohne Schatten..

Wenn du das nächste Mal deiner Angst begegnest, schau doch mal hin – vielleicht ist sie gar nicht so groß, wie du immer dachtest und dir in Liebe näher, als du glaubst.

Exkurs: Während einer Bronchoskopie, die mehrmals (1 – 3 – 6 – 12 Monate) nach einer Lungentransplantation durchgeführt wird, werden Proben des Lungengewebes entnommen, die Lunge gespült und dieses Wasser auf Bakterien, Keime etc. untersucht – während dieses Eingriffs ist man wach, aber sediert, also ruhig gestellt – meistens ein recht erholsamer Schlaf

Was tust du mit deiner Angst? Hast Du schon versucht dich mit ihr anzufreunden? 
Ich freue mich wenn Du mir Deine Erlebnisse und Gedanken in die Kommentare schreibst! 
Hat dir der Artikel gefallen? Ich freu mich, wenn du mir das zeigst, indem du auf „like“ klickst! 🙂 

Liebe Grüße,

deine Rani