Mein Mundschutz und ich..

Immer wieder denke ich in der letzten Zeit darüber nach – ist der Mundschutz jetzt eine Qual oder eine Hilfe.
Meine Conclusio: er ist beides.
Ich bin jetzt seit Juni 2010 lungentransplantiert… und seitdem kenne ich das Gefühl beim Tragen eines Mundschutzes… Nachdem meine alte-neue Lunge leider chronisch abgestoßen wurde, bin ich seit Juli 2018 jetzt zum zweiten Mal lungentransplantiert worden. Besonders die transplantierten Lungen sind sehr anfällig für alle Bakterien und Viren, weil Lungen das einzige Organ des Körpers sind, die nach außen offen sind.  Das Tragen eines Mundschutzes ist also vor allem in öffentlichen Gebäuden und dem öffentlichen Verkehr unabdingbar – vor allem im heiklen ersten Jahr.  Soweit so gut.

Bunte Farben für mehr Wohlbefinden?

Man kann sich einen Mundschutz in jeder Apotheke kaufen. In OP-blau oder OP-grün. Damit fühl ich mich ja dann so richtig krank. Also habe ich bunte Varianten des Mundschutzes gesucht und gekauft. Und ich bin nicht allein. Ich kenne und sehe viele Transplantierte die sich mit bedruckten, bunten, jedenfalls diversen Varianten des Mundschutzes „schmücken“.Ich mit rosa Mundschutz

Ich dachte jedenfalls, dass es an der Optik liegt, dass ich die Dinger so ungern trage.

Leider nein. Das hat mehrere Gründe!

Als es mir schlechter gegangen ist, war der Mundschutz Schutz und Qual. Man bekommt durch die „Dinger“ einfach schlechter Luft. Auch jetzt. Die Luft ist trocken und es wird recht warm darunter.

Aber je länger ich wieder mit den – durchaus schicken – Schutzmasken durch mein Leben gehe, umso mehr bemerke ich, dass ich es meide sie aufzusetzen. Nachdem ich aber auch nicht krank werden will – meide ich solche Situation einfach soweit es mir möglich ist. Das äußert sich, z.B. darin, dass ich immer weniger gern in Geschäfte gehe. Was das Einkaufen schwieriger macht…

und das macht mich nachdenklich..

Schutz – Abgrenzung – Ausgrenzung – fließende Grenzen

Natürlich ist es wichtig, sich zu schützen und ich möchte auch keine Grippe oder ähnliches riskieren, aber wie bekomme ich die Abneigung gegen das Einkaufen wieder weg?!?!
Ich beobachte mein Verhalten und Änderungen inzwischen recht genau. Deshalb fallen mir solche Dinge recht rasch auf.
Doch bin ich da die einzige? Wie geht es anderen Menschen mit Besonderheiten? ich mit grünem Mundschutz

Der Schutz ist jedenfalls auffällig. Ich unterscheide mich mit der Maske sofort von den anderen Menschen. Und nicht nur eine/r meint, ich wäre ansteckend!

Mir gefällt es, wenn Kinder nachfragen, meistens bei ihren Müttern und wenn ich dann bemerke, dass die Mütter selbst keine (korrekte) Antwort finden, erzähle ich einfach, dass aufpassen muss, damit ich nicht krank werde. Das reicht dann oft auch schon.

Manchmal hab ich richtig das Bedürfnis Zettel auszudrucken auf denen eine Info über Transplantationen steht um den Menschen diesen Ausdruck von Neugier und Irritation, manchmal auch Angst aus dem Gesicht zu zaubern. Doch ob die das überhaupt lesen würden… und will ich das?

Will ich jedem der mir begegnet offenbaren was das „Geheimnis meines Lebens“ ist?

Das verschieden oder besonders-sein hat auch eine ab- und ausgrenzende Wirkung. Besonders wenn man das „Merkmal“ nach außen trägt oder tragen muss. So gerne ich nämlich darüber berichte, was eine LuTX ist, wie man damit lebt und Yoga macht.. so gerne bin ich auch anonym, still und eher mit mir selbst beschäftigt als damit wie andere auf mich reagieren.

Falls sie reagieren – viele ignorieren dich auch einfach! Eine Situation die ich als sehr unangenehm empfunden habe, als es mir bereits sehr schlecht ging mit der Luft und ich trotzdem noch mit der U-Bahn ins AKH gefahren bin. Sitzplatz – Fehlanzeige.

Im Moment hab ich gerade keine Lösung als einfach weiter zu machen.Ich mit lila Mundschutz

Weiter Beobachten und Informieren und auf den Frühling und Sommer warten, wo ich mich freier bewegen kann und es weniger Krankheiten gibt…

Bis dahin werde ich mich wohl immer wieder überwinden trotzdem, oder gerade deswegen, einkaufen zu gehen, um kein ungesundes Verhaltensmuster zu entwickeln.

Weiterhin so tun, als wäre das Tragen eines Mundschutzes das normalste von der Welt! 🙂

Akzeptieren, dass es manchen Menschen auffallen wird, und manche Menschen mich mit und ohne Mundschutz ohnehin nicht wahrnehmen. Manchen werde ich darüber erzählen und andere werden sich ihre eigene Geschichte zu dem Ding in meinem Gesicht ausdenken…

Und du?

Das hat mich gerade beschäftigt…

Kennst du das auch? Was ist deine Besonderheit, die dich vielleicht manchmal von anderen Menschen trennt?

ich bin sicher, jeder kennt das Gefühl wenn man sich in einer Situation deplaziert fühlt..

was tust du dagegen?

Freu mich auf dein Feedback!

Mehr zu dem Thema auf meinem Blog:

Ich mit blauem Mundschutz