Kann es trotzdem „gut“ sein?

Es ist gut. Kann man das sagen, wenn die Welt sich gerade überhaupt nicht gut anfühlt? Wenn es schwierig ist zu leben, arbeiten zu gehen oder sich vor Ansteckung zu fürchten?

Ist es ok, dass es ok sein kann, auch wenn es nicht ok ist?

Darüber denke ich aktuell viel nach, denn die Anspannung innerhalb der Gemeinschaft wird immer spürbarer. Alles ist unberechenbar geworden, sogar man selbst. Ich ertappe mich dabei genervt zu sein, nur weil es mal nicht weiter geht auf den Straßen. Wirklich?

Menschen, die sonst total nett sind, gehen sich an die Gurgel. Im Radio berichten sie darüber, dass Wissenschaftler, die sich im Fernsehen zu Corona äußern – virtuell – angegriffen werden. Der Ton in Facebook-Gruppen und WhatsApp-Gruppen wird rauer als das April-Wetter, das uns aktuell fest im Griff hat.

Kann es trotzdem gut sein?

Ich sage ja, und zwar mit viel mehr Selbst-Fürsorge, als wir es gewohnt sind, denn – wir sind in der Krise. Auch wenn wir vielleicht persönlich nicht akut drin stecken, so ist es doch um uns herum. Niemand „entkommt“. Es ist eine Anspannung zu spüren, weil so viel Unsicherheit herrscht. Corona, die Maßnahmen, der, nein, die Lock-DownS sind das Thema. Heute sagte eine Freundin zu mir: Melde dich nach dem Lock-Down wieder, wenn alles normal ist. Aber ich denk mir – was wäre denn „normal“. Seit November hat die Gastronomie geschlossen, Künstler und Freiberufliche klagen über weniger Hilfen. Denken darüber nach, Stätten, die sie in jahrelanger Arbeit aufgebaut haben, aufzugeben.

Kann es trotzdem gut sein?

Wäre es nicht frustrierend, wenn es nicht trotzdem auch gut sein kann.

Gestern habe ich mir die Zeit genommen, und 20 Minuten lang auf dem Rücken gelegen – in Savasana – und habe Zwerchfell-Atmung geübt.

Und dann war da wieder dieses Gefühl, dass es – trotz allem gut ist. Für mich ist es so wichtig, an diese innere Kraftquelle, die Stille, bewusst anzudocken und mich darauf zu besinnen, dass es gut ist. Mir fehlt aktuell nichts. Ich weiß, dass jeden Tag die Sonne aufgeht und dass, solange das so ist, ich jeden Tag neue Möglichkeiten habe.

Ich weiß, dass ich mich mir jederzeit eine Auszeit gönnen kann, in dem ich die Augen schließe und atme.

Wenn ich gut auf mich achte, so lange ist es gut. Das weiß ich. So lange kann ich gut sein und muss nicht sofort auf das reagieren, was im Außen geschieht.

Solange ich auf mich schau, kann ich auch für andere da sein. Und das ist gut. Gerade hab ich tief ein und ausgeatmet – ein Reflex, der mir zeigt, dass es gut ist.

Das war meine erste Freitag- Inspiration

Ich wünsche dir, dass es auch für dich gerade – einfach gut sein kann, dass Du ein paar Minuten atmest bevor du weiter tust.

Namaste